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Anaconda

von Sean Theumer

Im Oktober haben wir noch dem umwerfenden Tierhorror-Trash der 90er-Jahre gefrönt und die absolute Benchmark der praktischen Effekte gefeiert, schon kam am ersten Weihnachtsfeiertag das Meta-Remake Anaconda in die Kinos. Und wo der Trailer den Anschein einer Rückbesinnung an die Horror-Comedys der frühen 2000er weckte, kam nicht nur beim Lesen der Kritiken, sondern spätestens im Kinosaal die blanke Ernüchterung.

Anaconda will uns mit seinem Meta-Ansatz der Geschichte vorgaukeln, mit genug Selbstironie und Bewusstsein an die Sache heranzugehen, nur um sich damit quasi selbst ein Bein zu stellen. Jack Black und Paul Rudd kommen mit Freunden nach dem Erwerb der Rechte des Sony-Streifens Anaconda auf die brillante Idee, nach Brasilien zu fliegen, um ein Reboot zu drehen. Doch anscheinend scheint der Mythos von riesigen Würgeschlangen im Amazonas doch keiner zu sein.

Klingt nach einem spaßigen Ansatz, der direkt mit der Eröffnungssequenz im Keim erstickt wird, denn Anaconda verschwendet seine 100 Minuten Laufzeit auch noch für einen komplett abstrusen Nebenstrang einer Frau, die vor Goldgräbern flüchten muss. Da kollidieren spätestens ab der Hälfte des Filmes die Handlungen, und auf dem Boot kommt es zu Spannungen innerhalb des Teams aufgrund des neuen Fokus des Reboots auf die Goldgräbergeschichte, inklusive Twist am Ende. Man mag vom Original halten, was man möchte, aber der Fokus lag auf Tierhorror – was man hier komplett ignorieren kann. Es braucht ewig, bis es zur Begegnung mit der Schlange kommt; irgendwann wirkt sie nur noch wie ein Beiwerk.

Das Problem für eine pfiffige Meta-Horror-Comedy ist, dass der selbstironische Ansatz in den letzten Jahren ohnehin „totgefilmt“ wurde und trotz der gut gelaunten Darsteller wenig Humor im Skript steht. Das eigentliche Highlight neben dem Schlangenjäger Carlos wurde in den letzten 30 Sekunden des Trailers verbraten, und jeder, der den gesehen hat, weiß ohnehin alles, was hier im gesamten Film passiert. Für eine Comedy nicht witzig genug, für Horror zu sehr an die Zielgruppe angepasst – oder anders gesagt: genau das, was man bei einem Film, den Sechsjährige in Begleitung der Eltern im Kino sehen dürfen, erwartet. Hier mal ein kleiner Jumpscare mit einer perfekten Ausnahme, da mal ein Close-up. Effekttechnisch hat man sich übrigens auch nicht verbessert, was die praktischen Animatronics aus dem Original schmerzlichst vermissen lässt. 45 Millionen Dollar Budget dafür, dass Schlange aussieht wie eine gerenderte Sequenz eines Playstation 3 Spiels.

Immerhin bewahrt Steve Zahn als Kameramann Kenny Anaconda vor einem absoluten Totalabsturz, und auch ein Gastauftritt hätte für noch mehr Furore sorgen können, wäre er nicht schon im Trailer verbraten worden. Am Ende bleibt für die anspruchsloseste Erwartung ein kleiner Happen; letztendlich wünsche ich mir doch wieder praktische Effekte zurück. Oder bessere Meta-Comedies oder bessere Tierhorrorfilme. Oder beides.

Regie: Tom Gormican
Drehbuch: Tom Gormican, Kevin Etten, Hans Bauer
Produktion: Kevin Etten, Andrew Form, Brad Fuller, Tom Gormican
Darsteller: Jack Black, Paul Rudd, Steve Zahn, Thandiwe Newton, Daniela Melchior
Director of Photography: Nigel Bluck
Komponist: David Fleming
Altersfreigabe: ab 12
Laufzeit: 100 Minuten
Veröffentlichungsjahr: 2025
Budget: 45.000.000$

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Sony Pictures Home Entertainment

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