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Ready or Not 2

von Sean Theumer

Ganze sechseinhalb Jahre hat es gedauert bis das Regieduo Radio Silence nach ihren beiden Ausflügen ins Scream-Franchise eine Fortsetzung zum Überraschungshit aus dem Jahr 2019 liefern. Ready or Not 2 knüpft direkt an den Vorgänger an in dem Samara Weaving in ihrer Hochzeitsnacht mit ihren künftigen Schwiegereltern Verstecken spielen musste und herauskam, dass die gesamte Familie ihres Mannes Teil eines satanistischen Kultes war und sie als Opfergabe für den Obersten persönlich dienen sollte. Sie überlebte und zündete sich nachdem alle Familienmitglieder explodiert sind eine Zigarette an und ging nach draußen. Und genau hier startet Ready or Not 2 direkt ohne großes Vorgeplänkel.

Über die Notwendigkeit eines Sequels lässt sich streiten, auch ob eine halbe Dekade dazwischen noch genug Relevanz mitbringt um ein Publikum zu erreichen. Was im Falle Ready or Not 2 besonders ärgert ist, dass er jeden Checkpoint einer Fortsetzung abhakt oder der Geschichte einen interessanten Kniff zu besorgen und damit wie Malen nach Zahlen die gesamte Handlung und beinahe den gesamten Ablauf identisch zum Vorgänger noch einmal wiedergibt. Nur diesmal natürlich mit doppeltem Budget, noch mehr Antagonisten und einem Side-Kick in Form einer Schwester für Grace, damit auch niemand mehr alleine um sein Leben kämpfen muss.

Matt Bettinelli Olpin und Tyler Gillet aka Radio Silence standen bisher stets für solide Hausmannskost im Genre und überzeugten neben ihren beiden Scream Filmen auch mit dem grundsympathischen Horrorspaß Abigail. Besonders im Inszenieren von Action waren sie jedoch nie, was sich hier leider besonders offenbart. Ready or Not 2 lässt den Horroraspekt des Vorgängers nahezu komplett aus und fokussiert sich eher auf actionreichem Thrill, der in ganz wenigen Momenten an Hard Target von John Woo erinnert, den Großteil jedoch starr gefilmtes und geschnitten Gewackel mit extremen Pacingproblemen ist. Dass hinter dem ganzen Kult eine sich weit erstreckende Organisation handelt, die die gesamte Welt im inneren beherrscht, sei geschenkt. Dass die Antagonisten die diesmal aus aller Welt kommen und allesamt komplett gestörte Menschen sind, macht immer mal wieder Spaß.

Auch wenn Menschen hier zerplatzen geizt Ready or Not 2 nicht mit saftigen praktischen Effekten, aber leider geht es immer wieder um zwischenmenschliche Dynamiken. Grace und ihre Schwester haben nämlich ein zutiefst dysfunktionales Verhältnis und offenbaren alles darüber direkt in den ersten 15 Minuten. Grace hat Faith nämlich als diese 15 war verlassen und bei Pflegeeltern allein gelassen und sich satte acht Jahre nicht mehr gemeldet. Warum Radio Silence sich aber dafür entscheidet den gleichen Ablauf noch satte drei weitere Male im Film zu bringen, wissen wahrscheinlich nur die beiden selbst. 108 Minuten Laufzeit hat Ready or Not 2 und opfert gut die Hälfte davon nur für Dialoge, denn auch unter den Verfolgern gibt es ein Geschwisterpaar mit ordentlich Problemen.

Wenn die Action mal vorkommt ist die standardmäßig abgefilmt ohne viel Dynamik, was sich besonders in einer Szene mit einem Bonnie Tyler Needledrop zeigt. Die Idee dahinter ist nämlich wirklich witzig, aber die Wirkung der Parallelmontage verpufft in ihrer Steifheit komplett. So geht es nahezu jeder Szene die Spannung vermissen lässt. Die Schwestern verstecken sich, jemand böses stürmt in den Raum und immer wieder springen sie dem Tod ganz knapp von der Schippe. Da helfen selbst gut gelaunte Darsteller und ein erstaunlich entschleunigter Kniff für das Finale leider auch nicht mehr viel.

Samara Weaving, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, Elijah Wood und David Cronenberg hatten extrem Spaß und das merkt man auch. Wenn Samara Weaving immer wieder verarztet werden muss aufgrund Stichverletzungen macht das Spaß und wenige Einzelmomente zeigen (Stichwort Bazooka), was wahrscheinlich möglich gewesen wäre bei kompakterer und besser Inszenierung oder weniger Abstand zwischen den beiden Filmen. Der Überraschungsmoment ist nämlich weg, die gleiche alte Leier überrascht heute niemanden mehr und wenn die einzige Idee der Regisseure ist, alles zu verdoppelten bekommt man das erste Mal in der Laufbahn des Regieduos das Gefühl, das hier vielleicht doch mehr Auftragsarbeit nach Studioansage dahintersteckt, als eigene Vision. Schade, was hier irgendwo ein wirklich unterhaltsamer Actionthriller steckt. Bleibt zu hoffen, dass die Stärken der Beiden im vierten Teil der Mumie mit Brandon Fraser und Rachel Weisz wieder aufblitzen dürfen.


Regie:
 Matt Bettinelli Olpin, Tyler Gillet
Drehbuch: Guy Busick, R. Christopher Murphy
Darsteller: Samara Weaving, Kathryn Newton, Sarah Michelle Gellar, Shawn Hatosy, Elijah Wood, David Cronenberg
Score Composer: Sven Faulconer
Cinematographer: Brett Jutkiewicz
Altersfreigabe: 16
Lauflänge: 108 Minuten
Erscheinungsjahr: 2025
Budget: 14.000.000$

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©The Walt Disney Company Germany GmbH

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