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The Mortuary Assistant

von Sean Theumer

The Mortuary Assistant war der Überraschungshit in der Gaming-Welt im Jahr 2022. Spieler nehmen die Sicht einer Leichenbestatterin ein, die eines Nachts Einbalsamierungen vornehmen soll. Doch ein Körper scheint der Wirt von etwas Bösem zu sein, das mit zunehmender Stunde immer näher zu kommen scheint. Das Spiel setzte auf eine stimmige Atmosphäre und geizte nicht mit brachialen Schockmomenten, um die Anspannung immer wieder zu brechen, was ihm schnell einen Ruf in der Streamingszene einräumte und etliche digitale Käufe nach sich zog. Ein Wunder eigentlich, dass es für eine filmische Adaption von The Mortuary Assistant über drei Jahre gebraucht hat.

Shudder, der beste Streamingdienst für Horrorfilme und Produzent von einigen Geheimtipps, die seit Jahren unsere „31 Days of Fright“ füllen, gab vor einigen Wochen den Start bekannt und veröffentlichte einen Trailer, der zugegeben recht nah am Spiel wirkte. Doch kann die filmische Adaption eines Spiels, das seine Wirkung aus der Immersion der First-Person-Perspektive und dem eigenen Erkunden erzielt, auch als Film funktionieren? Mit Shudder im Rücken dürfte Horrorfans doch eigentlich ein echtes Horrorfest erwarten, oder nicht?

Die Euphorie kippt eigentlich direkt mit dem Namen des Regisseurs. Jeremiah Kipp ist verantwortlich für The Mortuary Assistant, Regisseur von echten filmischen Kanten wie Slapface oder Black Wake. Wenn ihr davon noch nie etwas gehört habt, dann wahrscheinlich, weil ihr euch nicht für billig produzierte Filme, die kaum in den europäischen Raum gekommen sind, interessiert. Es ist euch nicht zu verübeln, doch auch The Mortuary Assistant wirkt wie ein schnell hingerotzter Film knapp über Fan-Niveau, der weder viel mit der Vorlage anzufangen weiß, noch als Horrorfilm gut funktioniert.

Das Einzige, was die Macher scheinbar als Resonanz der Spieler mitgenommen haben, ist das Echo der perfiden Jumpscares, die besonders wegen der anfangs erwähnten Immersion funktionieren. Umgesetzt wird das in The Mortuary Assistant mit plumpen, vorhersehbaren Sound-Cues, die mitunter zu früh oder zu spät kommen und daher jede Wirkung pulverisieren. Wir kennen den Moment, wenn sich ein Mensch umdreht und hinter ihm jemand steht. Wenn die Kamera auf eine dunkle Ecke langsam heran zoomt, ahnt jeder, dass gleich etwas aus der Finsternis schießt, und wenn die Fratze von Mimic, einer der dämonischen Gestalten, zum x-ten Mal im Close-up zu sehen ist, ist das wirklich nicht gruselig.

Da hilft das tolle Monster-Design und die praktischen Effekte leider wenig, über das fehlende Handwerk hinwegzutäuschen. Die Sets sind billig, die Ausleuchtung wie aus einem Wochenendkurs für Filmanfänger und auch wenn Willa Holland gefühlt alles versucht, bleibt ihre Darstellung der Bestattungswissenschaftlerin hölzern. The Mortuary Assistant geht glatte 90 Minuten inklusive Abspann, eine Länge, die für Konzept-Horrorfilme eigentlich angenehm ist. Wenn man mit Einsetzen des Abspanns allerdings rückblickend bemerkt, dass glatte 30 Minuten in Form eines Kurzfilms für diese Geschichte völlig gereicht hätten, lässt sich nur nachtrauern, was aus diesem Film mit etwas höherem Budget und besserer Regie hätte werden können.

The Mortuary Assistant ist eine gewollte, aber nicht gekonnte Adaption eines Horror-Hits, bei dem der Horror nur in der technischen Umsetzung steckt. Sorgte das Spiel für schweißgebadete Abende und unruhige Nächte, bleibt hier ein müdes Lächeln bei allen übrig, die nach knapp 85 Minuten noch wach sind. Schade Shudder, da haben wahrscheinlich alle deutlich mehr erwartet.

Die Bildrechte obliegen ©Shudder

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