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Skinamarink

von Sean Theumer

Wie gefährlich TikTok für die Erwartungshaltung eines Filmes ist, zeigte sich zu Beginn diesen Jahres. Skinamarink wurde durch soziale Medien plötzlich zum gruseligsten Film aller Zeiten angekündigt, weswegen das experimentelle Projekt deutlich mehr Zuwendung bekam als wahrscheinlich ursprünglich geplant. Und immerhin muss man diese Entwicklung ein bisschen loben, denn es ist wirklich schwer vorstellbar, dass ein Film der 15.000 $ gekostet hat und mitunter die schwierigste Seherfahrung des Jahres ist, in Multiplexen in ganz Amerika lief.

In der eigentlichen Rezeption scheiden sich hier die Geister. Natürlich wurde aufgrund des Hypes von vielen viel zu viel erwartet. Skinamarink mit der Erwartung des gruseligsten Film aller Zeiten zu sehen, ist natürlich zu viel. So ranken sich die Meinung zwischen der langweiligste Scheiß bis hin zu der gruseligste Film aller Zeiten. Und nachdem der Film heute auch in Deutschland endlich eine Auswertung bekommt, haben wir uns dem Ganzen mal angenommen.

Die Wahrheit liegt bei Skinamarink aber tatsächlich irgendwo in der Mitte. Der Film ist aufgrund seiner bedingten Möglichkeiten wirklich extrem experimentell. Er arbeitet dabei eigentlich mit langen Einstellung, in denen minutenlang nichts passiert. Immer mal wieder wird man durch kurze Tonsprünge aus der meditativen Phase gerissen. Das kann bei einer Laufzeit von 100 Minuten extrem kräftezehrend sein. Doch ausgerechnet in dieser Reduktion liegt bei Skinamarink auch eine riesige Faszination.

Wer erinnert sich nicht, als Kind panisch wach geworden zu sein Silhouetten in seinem Zimmer zu sehen, nach dem aufwachen, aus einem Albtraum ein Gesicht über seinem Kopf schweben zu sehen, der Kühlschrank, der merkwürdige Geräusche macht oder das vertraute Spielzeug, das im Schatten des Zimmers plötzlich doch gar nicht mehr so freundlich aussieht. Und dieses Gefühl transportiert Skinamarink hervorragend, wenn man sich darauf einlässt.

Aus dem oftmaligen Rätselraten welches Detail aus der minutenlange Einstellung jetzt wirklich von großer Wichtigkeit ist, erzielt man durch Sound Design und Bildwinkel mit unter richtige Panik. Das funktioniert natürlich nur, wenn man mit dem gezeigten irgendetwas anfangen kann. Wer lieber viel Getöse braucht, darf ohne große Reue einen großen Bogen um Skinamarink machen. Wer eines der interessantesten Film Projekte des Jahres eine Chance geben möchte und eine Auseinandersetzung mit den schlimmsten Erfahrungen aus der eigenen Kindheit sucht, sollte einen Blick riskieren.

Denn wenn man sieht, was hier mit 15.000 $ möglich ist und welche Vision dahinter steckt, lässt das auf eine großartige Zukunft hoffen. Skinamarink ist in seinen besten Momenten wirklich purer Nerventerror, in seinen schlechtesten jedoch auch eine viel zu langweilige Umsetzung einer tollen Idee. Immerhin, trotz aller Schwächen: Die letzten 15 Minuten fühlen sich an wie Albtraum aus dem man aufwachen will, aber es einfach nicht kann. Die letzten 2 Minuten haben mich dann in ihrer Inszenierung nahezu zerrissen.

Empfehlenswert für Halloween weil: Auch wenn es eine große Herausforderung wird für euch. Der experimentellste Horrorfilm des Jahres ist gleichzeitig einer der interessantesten Genrebeiträge des Jahres. Solange man die frühesten Kritiken nicht zu ernst nimmt, steht euch im besten Fall eine traumatische Reise in Kindheitsängste bevor. Wenn euch das komplett langweilt ist das aber auch mehr als nachvollziehbar!

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Plaion Pictures

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