Genervt von aufgeblähten Blockbustern, die selbst den repetitivsten Horrorstoff auf über zwei Stunden dehnen? Dass dieser Trend zur Redundanz ungebrochen ist, bewies jüngst die Veröffentlichung der Laufzeit von Lee Cronins Neuinterpretation des Universal-Klassikers Die Mumie: Sagenhafte 137 Minuten bringt der Film auf die Laufzeitwaage. Was das mit Kirill Sokolovs They Will Kill You zu tun hat? Genrethematisch wenig, doch der neueste Streich des Festivallieblings erinnert uns an eine Ära, in der knackige 90-Minüter die Leinwand dominierten. Und Sokolov liefert exakt das, was auf dem Etikett steht.
Die Prämisse ist herrlich simpel: Asia Reaves tritt eine Stelle als Reinigungskraft in einem Hochhaus an, in dem mysteriöserweise regelmäßig Frauen verschwinden. Dass das Gebäude als Versteck für Satanisten dient, wird ihr schnell klar. Doch als die Kultisten versuchen, Asia des Nachts zu eliminieren, müssen sie feststellen, dass ihr vermeintliches Opfer eine ganz eigene, blutige Mission verfolgt. Und wer den Trailer oder die Social-Media-Promo mitbekommen hat, dürfte mitbekommen haben, dass They Will Kill You aus dieser quatschigen Prämisse auch einen quatschigen Film macht.

Beginnt die Erzählung noch wie eine Variation von Ready or Not, mutiert das Werk nach zehn Minuten zu einer wilden Symbiose aus Evil Dead 2 und The Raid. In Anbetracht der filmhistorischen Bedeutung dieser Vorbilder mag der Vergleich gewagt klingen, doch der Mittelteil vereint tatsächlich den humoristischen Splatter-Vibe des einen mit der dynamischen Action-Choreografie des anderen. Handwerklich ist das – trotz kleinerer digitaler Ausreißer im Finale – eine wahre Augenweide. Angesichts der Fülle an fliegenden Gliedmaßen und stilisierten Blutfontänen ist es fast schon ein Wunder, dass die FSK hier eine Freigabe ab 16 Jahren hat springen lassen. Schon mit seinem Debüt Why Don’t You Just Die! bewies Sokolov sein Gespür für kinetische Ekel-Comedy; hier perfektioniert er diesen Ansatz.
Innovativ gefilmt, übersichtlich geschnitten und mit genug kreativen Einfällen (eine Verfolgungsszene mit einem Auge ist das absolute Highlight) um trotz der verzettelten Narration bei Laune zu halten. Gerade die Abwechslung in den Kampfszenen macht richtig Bock. Leider verliert sich der Film immer wieder in Rückblenden oder Dialogpassagen insbesondere wenn es in Richtung Finale geht. Das ist zu verkraften, wenn im Finale ein Kampf passiert, der nahezu wie ein Bossfight aus dem Spiel Black Myth: Wukong erinnert und das Ende keine großen Haken schlägt und konsequent zum Abschluss kommt, ohne Sequel-Bait. Ein äußerst spielfreudiger Cast, insbesondere Zazie Beetz, machen They Will Kill You zu einem spaßigen Vergnügen der zwar die besten Zutaten aus vielen Genrevertretern klaut, aber sie dennoch zu einem unterhaltsamen Mix zusammenpüriert. Evil Dead 2 und The Raid halt. Bockt!


Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Warner Bros. Entertainment
