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Evil Dead Burn

von Sean Theumer

Es ist eine der bemerkenswertesten Konstanten des modernen Horror-Kinos, dass das von Sam Raimi ins Leben gerufene Evil Dead-Franchise trotz stetiger Richtungswechsel niemals an Biss verloren hat. Mit mittlerweile sechs Filmen bestätigt die Reihe einen Trend, der im Horrorgenie seinesgleichen sucht: Statt ausgenutzte Formeln bis zum Erbrechen zu kopieren, vertraut das Studio auf den kreativen Mut wechselnder Regisseure und gibt ihnen völlig freie Hand. Das Ergebnis ist, dass sich selbst der sechste Leinwand-Beitrag, Evil Dead Burn, erfrischend neu, wild und absolut unverbraucht anfühlt.

Mit Sébastien Vaniček hat man sich dafür einen der aktuell aufstrebendsten Genre-Regisseure an Bord geholt. Nach seinem gefeierten, klaustrophobischen Spinnen-Thriller Vermines (Infested) durfte der französische Filmemacher nun auf internationalem Parkett loslegen – und zelebriert seinen hyperaktiven, kompromisslosen Stil hier in jeder Sekunde. Vaniček drückt das Gaspedal von der ersten Minute an durch: Wilde Schnitte, ein treibender, krachender Hip-Hop-Score und eine der kinetischsten, visuell krassesten Kameraarbeiten des gesamten Kinojahres verschmelzen in Evil Dead Burn zu einem audiovisuellen Rausch, der den Zuschauer vollkommen atemlos zurücklässt. Mehrere Sequenzen in diesem Film gehören schlicht und ergreifend zum Besten, was das gesamte Franchise je hervorgebracht hat.

Getragen wird dieser Höllentrip von einer fantastischen Souheila Yacoub in der Hauptrolle, die als resolute Protagonistin durch diesen Albtraum watet und dem blutigen Chaos das nötige emotionale Fundament gibt. Doch trotz aller frenetischen Begeisterung für das handwerkliche Feuerwerk offenbart der Film auch eine kleine erzählerische Schwäche, die man der Reihe und dem kontemporären Horrorkino langsam ankreiden muss. Wie schon so oft nutzt auch Evil Dead Burn Verluste und schwelende Beziehungskrisen als Nährboden für metaphorischen Horror. Dabei tauscht der Film den echten, unverkrampften Horror-Terror der ganz frühen Tage zeitweise gegen das Gefühl eines bluttriefenden, adrenalindurchtränkten Mosh-Pits ein. Man will dem Publikum ordentlich einheizen, verliert dabei aber manchmal den puren, schleichenden Schrecken aus den Augen.

Dennoch: Das ist Jammern auf verdammt hohem Niveau. Evil Dead Burn ist ein mitreißendes, kompromissloses Brett von einem Horrorfilm, das zeigt, dass diese Reihe auch nach Dekaden noch vor kreativer Energie explodieren kann. Ein Rausch für die Sinne.

Empfehlenswert für Halloween weil: Eine absolute Pflichtempfehlung für alle, die das Genre in seiner brachialsten und modernsten Form lieben. Wenn ihr einen Film sucht, der euch keine Sekunde zum Durchatmen lässt, gehört dieser harte Ekstase-Trip ganz nach oben auf eure Halloween-Watchlist!

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Warner Bros.

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