Das Zombie-Genre leidet seit Jahren an einer chronischen Ermüdung. Zwischen brachialen Splatter-Spektakeln und immergleichen Survival-Formeln scheint die erzählerische Luft weitgehend raus zu sein. Umso erfrischender ist es, wenn ein Film wie We Bury The Dead unter der Regie von Zak Hilditch (1922) den Mut aufbringt, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Hilditch nutzt die Untoten nicht als Dauerfeuer-Kanonenfutter, sondern wählt eine erstaunlich unverbrauchte, fast schon meditative Inszenierung, die dem Genre dringend benötigten frischen Wind einhaucht.
Die Prämisse wirft uns mitten in die Trümmer einer Katastrophe: Nach einem gescheiterten militärischen Experiment im ländlichen Tasmanien schließt sich Ava einer Sondereinheit an, deren einzige Aufgabe es ist, Leichen zu bergen und zu identifizieren. Ava sucht verzweifelt nach ihrem verschollenen Ehemann. Doch das Grauen besteht hier nicht aus blutrünstigen Bestien, die kreischend auf ihre Opfer zustürzen. Die Toten in We Bury The Dead kehren nicht als rasende Bestien zurück, sondern als traumatisierte, fast schon apathische Schatten ihrer selbst. Sie wandeln stumm, langsam und ohne unmittelbare Aggression durch die karge australische Natur.
Genau in dieser stilistischen Entscheidung liegt der größte Triumph des Films. Hilditch verweigert dem Publikum den schnellen Adrenalinkick und baut stattdessen eine bleierne, melancholische Atmosphäre auf. Die Spannung entsteht nicht durch die Frage, wann die Zombies angreifen, sondern durch die unheimliche Präsenz dieser wandelnden Hüllen, die wie Phantome der eigenen Trauer wirken. Der Film behandelt das Untotensein fast wie eine chronische Krankheit oder ein kosmisches Missverständnis. Es gibt Szenen von einer erschütternden, stillen Poesie, wenn die Überlebenden zwischen den Leichen wandeln und man für Momente vergisst, wer hier eigentlich lebendig ist und wer nicht.

Gestützt wird dieses leise Horror-Drama von einer hervorragenden Daisy Ridley. Sie liefert eine physisch wie emotional extrem geerdete Performance ab, die meilenweit von ihren großen Blockbuster-Rollen entfernt ist. Ridley spielt Ava mit einer verbrauchten, sturen Entschlossenheit. Ihr Gesicht ist gezeichnet von Erschöpfung und Verlust, und die Kamera bleibt oft nah an ihren Augen, in denen sich die quälende Ungewissheit spiegelt. Wenn sie sich mit der Schaufel durch den tasmanischen Matsch arbeitet, spürt man das physische Gewicht jeder einzelnen Szene. Allerdings bremst sich der Film im zweiten Drittel durch sein manchmal gar zu schleppendes Pacing selbst etwas aus. Hilditch verliebt sich stellenweise so sehr in seine bildgewaltige Tristesse, dass die Handlung spürbar auf der Stelle tritt. Auch die auflösenden Erklärungen rund um das Militärexperiment wirken im Vergleich zum emotionalen Kern der Geschichte etwas zu konventionell und schmälern die mystische Faszination der ersten Hälfte.
Am Ende ist We Bury The Dead kein reißerischer Reißer für die späte Vorstellung, sondern ein melancholischer, bildstarker Zombiefilm, der die Natur von Verlust und Schuld hinterfragt. Durch die unverbrauchte, entschleunigte Inszenierung der Untoten und eine stark aufspielende Daisy Ridley hebt sich das Werk spürbar vom Einerlei des modernen Horror-Kinos ab. Ein leiser, unbequemer Film, der im Gedächtnis bleibt.
Empfehlenswert für Halloween weil: We Bury the Dead bricht aus dem typischen, oft austauschbaren Party-Splatter-Schema aus und bringt stattdessen diese ganz besondere, herbstlich-kühle Melancholie mit, die perfekt zu den dunkleren Oktoberabenden passt. Wenn ihr auf der Suche seid nach einem Film, der nach dem Seherlebnis noch ein wenig in der kühlen Nachtluft nachhallt und das Zombie-Thema aus einer erfrischend unheimlichen Perspektive beleuchtet, sei euch dieser kleine australische Geheimtipp wärmstens empfohlen.

Regie: Zak Hilditch
Drehbuch: Zak Hilditch
Produktion: Kelvin Munro, Mark Fasano, Joshua Harris
Darsteller: Daisy Ridley, Brenton Thwaites, Mark Coles Smith
Bildgestaltender Kameramann: Steve Annis
Komponist: Brendan Hill
Altersfreigabe: 16
Laufzeit: 95 Minuten
Veröffentlichungsjahr: 2024
Budget: 3.000.000$

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Capelight Pictures
