6 umwerfende Musicalstipps zum DVD/Bluray-Start von La La Land

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Verrücktheit, Vergeltung und Verfluchung

 

The Rocky Horror Picture Show (1975, Jim Sharman)

©20th Century Fox

Give yourself over to absolute pleasure
Swim the warm waters of sins of the flesh
Erotic nightmares beyond any measure
And sensual daydreams to treasure forever

Über die Bekanntheit von The Rocky Horror Picture Show muss man kaum noch Worte verlieren. Der Film von Jim Sharman avancierte längst zum Kultstreifen, füllt auch heute noch die Theater weltweit und kam bereits etliche Male als Sing-a-Long in die Kinos. Janet und Brad wollen eine Hochzeitsreise machen, doch bleiben durch eine Reifenpanne liegen und finden Unterkunft in einem alten Schloss. Doch sie werden dabei Teil eines bizarren Experiments. Reis auf die Gäste, Klopapier auf die Leinwand oder ein Kartenregen im Saal, die Kinokultur die Rocky Horror in seinen Vorstellungen auch heute noch prägt, lässt sich für viele sicherlich nicht nachvollziehen, ist die Stilistik des Filmes nicht für den guten Geschmack. Hyperventilierend, schrill und überlaut kommt das muntere Treiben daher und sorgt mit einem merkwürdigen Wechsel aus kreischender Theatralik und ohrwurmgarantierenden Hits für ein äußerst unikates Erlebnis. War es in seiner Entstehungszeit noch ein revolutionäres und provokant, stimulierendes Erlebnis, strapazieren einige Nummern im letzten Drittel (bei manchen sogar im gesamten Film) ordentlich die Nerven. Aber The Rocky Horror Picture Show guckt man am Besten in einer großen Gruppe oder in diversen Sondervorstellungen im Kino. Denn das Böse war nie schöner!

 

Sweeney Todd (2008, Tim Burton)

©Warner Bros.

Whence comes this melody constantly flowing?
Is it rejoicing or merely halloing?
Are you discussing or fussing
Or simply dreaming?

Das Böse sieht auch hier wunderschön aus, doch ist Tim Burtons bester Film gleichzeitig auch eine herzzereißende Tragödie. Nachdem Benjamin Barker von dem Richter Turpin aus Eifersucht auf Frau und Kind unschuldig hinter Gitter gesteckt wird, sucht nach all den Jahren Vergeltung als mordlüstiger Barbier. Burtons Version von Stephen Sondbergs Komposition ist mit seinem eigenen visuellen Stil verfeinert. Zwischen düsteren Winkeln und gothischer Schönheit inszeniert er Sweeney Todd als tragische Ballade voll tragischer Schönheit und brachialer Härte. Sollte die Thematik um einen kohlenschlitzenden Barbier auf der Suche nach Vergeltung im Vorfeld schon zu viel für euch sein, sollte ihr auch einen großen Bogen um dieses Musical machen. Burton kennt kein Erbarmen, liefert blutrünstige Morde mit täuschend echten Tricks ab und suhlt sich im Pessimismus, der auch noch lange nach dem Abspann anhält. Von Wohlbefinden und Glückselig haben wir uns distanziert, das Musical herrscht hier nur noch formal. Wunderschön und einnehmend ist diese Schauergeschichte, wird ergänzt von grandiosen Songs und noch besseren Performances. Wie diabolisch und voller Hingabe Johnny Depp hier den Barbier darstellt ist sowohl gesangtechnisch, als auch darstellerisch eine umwerfende Leistung, bei der der weitere Cast trotz tollem Schauspiel erblasst. Es stimmt einfach alles in diesem Meisterwerk! Darauf eine Pastete.

 

The Nightmare before Christmas (1993, Henry Selick)

©Walt Disney

This is Halloween, everybody make a scene
Trick or treat till the neighbors gonna die of
fright
It’s our town, everybody scream
In this town of Halloween

Henry Selicks The Nightmare before Christmas eignet sich sowohl als Vorbereitung für Halloween oder für das Weihnachtsfest. Jack, der Kürbiskönig von Halloweentown möchte seinen angsteinflößenden Mitbürger das Weihnachtsfest nahebringen, doch bieten sich keine guten Umstände in der düsteren Kleinstadt bis ihm die Idee kommt den Weihnachtsmann einfach zu entführen. Mit der Präsentation von „This is Halloween“ wird das Geschehen opulent eröffnet, die unzähligen Charaktere spuken über die Leinwand und direkt darf die Stop-Motion Technik in schwarzhumoriger Bildgewalt über den Bildschirm flitzen. Das Monster und Setdesign ist einfallsreich und umwerfend, die Lieder sind echte Ohrwürmer (solang man von der deutschen Synchronfassung absieht) und der Humor und die etlichen Horrorzitate ein wahres Fest für erwachsene Zuschauer. Diese sind trotz der niedrigsten Freigabe eigentlich die potenziellen Abnehmer, können Kinder weder mit dem bösem Humor, noch mit den Reminiszenzen etwas anfangen. Ob nun zum Fest der Liebe, am Abend des Schreckens oder gar zur Unterhaltung in der Freizeit. Henry Selicks fantastisch gothischer Stop-Motion Albtraum ist einer der schönsten Musicals, dessen Soundtrack man einfach nicht aus dem Kopf bekommt und dessen Bilder man am liebsten auf einem groß bedruckten Plakat im Zimmer aufhängen möchte.

 

Schlusswort

Sicherlich gibt es noch etliche Filme, die man in diesem Genre empfehlen kann, doch diese 6 würde ich jedem Musicalliebhaber und Verachtern ans Herz legen um die Liebe weiterhin auszubauen oder entflammen zu lassen. Denn viel schöner kann man das riesige Spektrum eines Musicals nicht darstellen. Vom Wohlwollen der goldenen Fünfziger über prachtvolle Abenteuer, unbeschwerte Leichtigkeit bis hin zu abgefahrenen Gestalten in einem Szenario und mordlüstigen gebrochenen Menschen. Musik ist zum einen Kommunikationsleiter und doch reflektiert sie die Poesie der Dramen und Epen. Es bleibt zu hoffen, dass La La Land eine Liebe erneut entflammt hat und Filmstudios, mit einem Einspielergenis von einer halben Milliarde weltweit, die Sicherheit gibt endlich wieder vermehrt Wärme in unser Herz zu bringen, in welcher musikalischen Form auch immer.