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Morbius

von Sean Theumer

Morbius ist das perfekte Beispiel aus der Filmbranche zu Zeiten der Corona Pandemie. Ursprünglich angekündigt für Mitte 2020 war das Werk von Daniel Espinosa, der sich durchaus als effizienter Handwerker mit Safe House oder Life beweisen konnte, stetig betroffen von Startterminverschiebungen aufgrund geschlossener Lichtspielhäuser. Resultat daraus war eine konstante Dauerbeschallung im Vorprogramm über Monate hinweg, was die Frage hinterließ inwiefern das Studio selbst noch die Zeit nutzt um eventuelle Makel auszubessern.

Und diese Zeit gab es um unfertig wirkende Trailershots zu korrigieren oder gänzlich Umschnitte vorzunehmen. Doch dass Morbius ohne als Totgeburt abgestempelt wurde, merkte man mit dem Release. Durch die sozialen Netzte kursierten Berichte über Einstellungen die im Film nicht vorkamen, ganze Charaktere die es nicht in das fertige Produkt geschafft haben und ein besonderes Beispiel für irreführende Vermarktung. Dass Disney zweifellos versucht hat das Interesse zu pushen mit einem Cashgrab oder der Marke  Marvel an sich dürfte klar sein, doch ein Spiderman Poster im Trailer zu positionieren welches klar auf das Ende von Spider-Man: Far from Home anspielt und den Eindruck eines Crossovers suggeriert, nur um letztendlich digitale Manipulation für medialen Buzz zu betreiben ist schlichtweg ein Schlag in die Fresse des Konsumenten.

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Morbius ist nicht der Film, der im Trailer angekündigt wurde und ein weiterer Eintrag in das qualitativ zerfahrene MCU. Dass jetzt selbst Fans und Kritiker jetzt empört sind und den Film letztendlich kritisieren liegt daran, dass hier kein Fanservice existiert. Hier gibt es keinen Querverweis auf einen anderen Film, versteckte Requisiten oder Easter Eggs auf die man applaudierend reagieren kann, sondern hier zählen die Qualitätsmerkmale. Nun muss man aber auch erwähnen, dass vermutlich durch die Verschiebung der Starttermins um knapp 2 Jahre sehr wahrscheinlich ein kompletter Recut stattfand. Narrativ ist Morbius ein einziger Cluster aus völlig blind aneinandergeschnittenen Szenen, die wirken als wären wichtige Charakterentwicklungen einfach ignoriert wurden. Damit bleibt hier letztendlich eine uninteressante Origin Story für einen völlig blassen Helden, in der jeder Charakter die Tiefe einer Pappfigur besitzt, Motivationen des Antagonisten aus einem Kinderbuch kommen könnten und jeder Ansatz einer Diskussion über die Qualen des Vampirismus als Randnotiz verpuffen.

Konzipiert wurde das irgendwann mal für Erwachsene, denn in den Comics noch als mordender Antiheld inszeniert, haben wir hier den netten Doktor der nach einem kleinen Ausrutscher in dem Unschuldige starben nun völlig nach dem Gesetzt handelt. Hier geht die PG13 Zensur dann soweit, dass Blut einfach schwarz eingefärbt wird und nahezu jede Gewalt in extremen Low-Key Lichtsituationen passiert. Die Effektszenen, wenn sie überhaupt vorkommen, sind unfertig und digital nahezu komplett verstümmelt. Gerade das Finale, welches eine absolute Frechheit ist, zeigt Zwischensequenzen aus Videospielen der frühen 2000er. Den Aufreger ist Morbius aber nicht wert, denn letztendlich ist das hier auch nur eine Origin Story wie Marvel sie mehrmals veröffentlicht hat mit einem Bruchteil des Budgets. Der Unterschied hier liegt dann nur noch ein der vollkommenen Karikatur wenn die Mid Credit Szenen keinerlei Fortschritt der Handlung bedeuten, sondern als Fan Service ohne Sinn und Verstand platziert werden.

Das ist alles ganz ganz furchtbar aber sind wir doch mal ehrlich: Hat man es anders erwartet? Dass ein solider Handwerker einfach nicht kreativ arbeiten darf obwohl er wollte? Zumindest eine Krankenhausszene die aus einem Horrorfilm kommen könnte, deutet an was hier ursprünglich geplant wurde. Jared Leto spielt auf Autopilot, Matt Smith hatte richtig Bock hier freizudrehen. Nur kann er diesen computergenerierten Fratzenfasching auch nicht retten. Ein Film der eigentlich nur eine sinnlose Aneinanderreihung von Einzelclips ist. Wer sich die 100 Minuten sparen möchte kann sich den Trailer nochmal angucken, denn der zeigt alle VFX Shots. Waschechtes Antikino.

Morbius Poster

Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Darsteller: Jared Leto, Matt Smith, Jared Harris, Adria Arjona, Tyrese Gibson 
Score Composer: Jon Ekstrand
Cinematographer: Oliver Wood 
Altersfreigabe: 12
Lauflänge: 104 Minuten
Erscheinungsjahr: 2022
Budget: 75.000.000$
Box-Office: 126.000.000$

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Walt Disney 

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