Mit „La La Land“ durch die Filmgeschichte/Blogger-Special

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Das Kult-Musical La La Land orientierte sich zweifellos an der Goldenen Ära von Hollywood und schwärmte ihr gleichermaßen nach. Die Handlung ist nicht nur in der Stadt der Engel platziert, sondern greift darüber hinaus unmittelbar auf einen großen Hollywoodklassiker, …denn sie wissen nicht, was sie tun, zurück. Damit ist der Film und sein Geschehen fest in unserer Realität verankert, auch wenn uns dies die Fassade der Traumfabrik durch märchenhafte Szenen und wundervolle Songs oft vergessen lässt. Den dramaturgisch wichtigsten Punkt, nämlich das Ende des Filmes, übernahm Regisseur und Drehbuchautor Damien Chazelle jedoch unbenannt von einem bereits existierenden Werk: Casablanca.

In dem größten Klassiker unter den Liebesfilmen erzählt Casablanca vom Nachtclubbesitzer Rick, der zur Zeit des zweiten Weltkrieges internationale Flüchtlinge mit Alkohol, Glücksspielen und seinem barmherzigen Kneipenpianisten Sam unterhält. Als jedoch plötzlich seine ehemalige große Liebe Ilsa mit ihrem Ehemann in „Rick’s Café Américain“ auftaucht, werden fast vergesse Gefühle wieder entflammt. Im Finale des Filmes hat er schließlich die Wahl, sich für ein Leben mit seiner Liebe oder sich für ihre endgültige Sicherheit in Amerika zu entscheiden. Schließlich bleibt er in Casablanca und sichert ihr und ihrem Mann den Flug zurück in die Staaten. Der beendende Satz des Filmes, den Rick zu dem sympathischen Polizisten Renault sagt, lautet wie folgt: „Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

©Warner Bros.

Casablanca schafft den beinahe unmöglichen Spagat zwischen einem tragisch gescheitertem und optimistischem Ende. Er erinnert daran, dass der Mensch nicht erst emotional vollkommen sein muss, indem er eine Beziehung verwirklicht. Neben dieses sonst propagierten Inhaltes in Liebesfilmes gibt es letztlich noch die Freundschaft, die ebenso unantastbar sein kann. Des weiteren verwirklicht Rick fortlaufend den Glückszustand seiner Verwirtschaftung des Nachtclubs, den er nach der Begegnung mit Ilsa in Casablanca mit mehr Entgegenkommen und Engagement gegenüber den Flüchtlingen pflegt.

Einen beinahe identischen Ton trifft auch das Ende von La La Land, in dem sich die beiden Protagonisten Seb und Mia für ein selbstverwirklichendes und unabhängiges Leben entscheiden, wofür sie die Liebe zueinander aufgeben müssen. Nach fünf Jahren treffen sie sich in der Jazzbar von Seb, vergleichsweise kürzer „Seb’s“ getauft, wieder. Mia hat wie Ilsa ebenfalls einen neuen Ehemann, während Seb gleichermaßen den einsamen Clubbesitzer spielt.

Es reichen bereits kurze Blicke zueinander, ehe sie sich ihrem Schicksal und der gemeinsamen, nicht existenten Gegenwart bewusst sind. Der Schmerz sitzt tief, besonders beim männlichen Protagonisten, und bewirkt einen kurzen Moment des Kummers. Doch dies scheint wohl der Preis der Selbstverwirklichung und des Auslebens von Wünschen und Träumen zu sein. Die unzertrennbare Liebe, die in sonst so vielen Liebesfilmen vom verträumten, surrealen Hollywood zelebriert wird, findet ihre Abrechnung mit der Realität. Auf diese Weise demonstrieren beide Werke die Kehrseite des Erfolgs und ebenso der Traumfabrik.

Zugegeben, La La Land hat einen deutlich schmerzvolleren Abgang als Casablanca, doch entwickeln sich beide vom Hollywood-Traumbild zum Realitätsbild. Ein solch kritisches Wagen war wohlmöglich eine entscheidende Zutat zum enormen Erfolgsrezept vom Meilenstein mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman, der nicht weniger als zu den besten Filme aller Zeiten zählt. Demnach ist Chazelles inspirierte Adaption dieses Schlussaktes durchaus verständlich, schließlich stimmt dieses Ende wie kein anderes mit der berührenden Geschichte von La La Land überein. So weckt sein Musical auf einer erfrischend defensiven Ebene die Emotionen seines nostalgischen Publikums.

©Studiocanal

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