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Return Of The Living Dead 3

Return Of The Living Dead 3

von Sean Theumer

Brian Yuzna, dem Genrefreund bekannt für seine abgeranzten Horrorfilme. Seien es schleimige Untergrundorgien in Society, angstfördernde Untersuchungen in The Dentist oder die qualitativ hochwertige Fortsetzung zu Stuart Gordons Re-Animator. Der Mann versteht es saftige praktische Effekte auf der Leinwand zu entfalten und gar Bilder zu erschaffen, die man auch heute noch nie zuvor gesehen hat. Auch Return Of The Living Dead 3 soll seinerzeit für euphorische Jubelstürme gesorgt haben, so sagte es mir zumindest mein Vater, der den Spaß damals im Kino sehen konnte. Yuznas Film stellt den dritten Teil in einer Reihe dar, bei dem der ersten Teil völlig zurecht Kultstatus genießt und ein Mantel des Schweigens um den zweiten Eintrag geworfen wurde.

Die 90er Jahre waren generell recht unkompliziert. In einer Zeit in der man sich nicht um Political Correctness kümmerte und nahezu gleichgültig auf Zuschauerreaktionen Gewaltinfernos auf die Leinwand los ließ, entsprang aus dieser Attitüde im Jahr 1993 Return Of The Living Dead 3. Und der Vorspann macht es direkt klar, mit welchem Charm hier quasi um sich geworfen wird. Allein der Vorspann stinkt aus allen Poren nach den verruchten 90er und der Look vermittelt ein Gefühl saftiger Videothekenfilme im leichten Billig-Look, dass man kaum abwarten kann was Yuzna jetzt wieder für eine Perversion auf den Zuschauer loslässt.

Doch der gebürtige Philippine scheint melancholischer geworden zu sein, denn wer sich hier ein reinrassiges Gore-Fest erhofft, wird im schlimmsten Fall bitter enttäuscht. Natürlich gibt es auch hier derbe praktische Effekte, aber in erster Linie ist Return Of The Living Dead 3 ein Liebesfilm. Quasi wie es auf dem DVD Cover zu Shaun of the Dead damals geschrieben stand nur etwas abgewandelt: Ein romantischer Liebesfilm mit Zombies. Das ist in diesem Falle jedoch Fluch und Segen zugleich. Als Abwechslung zum üblichen Zombiefilm ein absoluter Segen, weil es irgendwann ermüdet Zombieschlachtplatten serviert zu bekommen, die ohne Charakterisierung oder emotionalen Punch ausfallen. Ein Fluch jedoch, weil der Film sich nicht richtig einig ist auf welchen Aspekt er sich denn konzentrieren möchte.

Bei dem Versuch aus seinem beengten Leben mit seinem Vater zu entfliehen, entschließt der junge Curt sich nachts dazu, mit seiner Freundin Julie auf seinem Motorrad weit weg zu fahren. Doch ein tragischer Unfall auf dem Weg führt dazu, dass Julie verstirbt. Glücklicherweise wird in der Militärbasis von Curts Vater mit Toten experimentiert und er entschließt sich Julie mit dem scheinbaren Wiederbelebungsmittel erneut zum Leben zu erwecken. Scheinbar funktioniert das, doch Tote kann man nicht zum Leben erwecken. Sie bleiben tot.

Das Potenzial, welches dort vergraben liegt, ist gigantisch. Return Of The Living Dead 3 hätte wie die Fliege ein schmerzlich romantischer Bodyhorror werden können mit einem ruppigen Turn auf körperliche Liebe, aber es wäre nicht Brian Yuzna, wenn es nicht voll auf die Zwölf geht. In irrsinnig blutigen Szenen werden Prothesen  abgeschlagen, der Boden schwimmt in einer Suppe aus Schleim, Körperfetzen und Eingeweiden und immer wenn es ordentlich Action auf dem Bildschirm gibt, ist der Film eine heile Freude. Schade nur, dass er sein Pacing derart verschleppt und in einem brutal öden Mittelteil überhaupt nicht in die Gänge kommt.

Wenn Curt vor dem Militär flieht bahnt sich ein Konflikt mit einer halbstarken Truppe an, wegen eines Konflikts in einem Supermarkt. Von dort flüchten sie in die Kanalisation und verstecken sich. Julie beginnt zu verrotten, was wirklich Spaß macht anzusehen. Nur doof, dass die hölzerne Romanze keinerlei Wirkung zeigt. Da wird stellenweise geschluchzt und geweint und in uns regt sich wirklich nichts. Damit verkommt der eigentlich interessanteste Aspekt am gesamten Konstrukt zu unnötigem Ballast. Wirklich schade. Schlecht wird der Film dadurch nicht, er bleibt nur weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Es lohnt sich auch heute noch Return Of The Living Dead 3 anzusehen, allein der Effekte wegen. Dass diese bei einer Neuprüfung im vergangenen Jahr mit einer Altersfreigabe ab 16 durchgegangen sind, gleicht einer echten Willkür. Wer sich darauf einlässt, dass die ungelenkte Romanze nicht immer ohne unfreiwillige Komik auskommt, sollte ohnehin viel Spaß haben. Warum sich danach aber noch zwei Fortsetzungen ergaben, bleibt ein echtes Rätsel.

Empfehlenswert für Halloween weil: Jeder der praktische Effekte der 90er liebt hier sein Magnum Opus findet. Auch wenn der Film neben seinen schleimig blutigen Eskapaden mit einer recht schlecht gespielten und ausbremsenden Romanze immer wieder ins Stottern kommt, bleibt immer noch ein recht großer Spaß.  Mit genug Bier zumindest.

 

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Regie: Brian Yuzna
Drehbuch: John Penney
Darsteller: Kent McCord, James T. Callahan, Sarah Douglas, Melinda Clarke, J. Trevor Edmond
Score Composer: Barry Goldberg
Cinematographer: Gerry Lively
Altersfreigabe: 16
Lauflänge: 97 Minuten
Budget: 2.000.000$
Box-Office: Unbekannt

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©ELEA Media

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