Der Spion und sein Bruder

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Wo kann man schon mal sein Niveau über Bord werfen und sich vor lachen schämen? Definitiv beim neuen Film von Sacha Baron Cohen! Wann hat eine Komödie eine Niveauuntergrenze? Wann ist ein Lachen noch ein Lachen aus emotionaler Überzeugung und wann aus subjektivem Fremdscham? Wo liegt meine Grenze bei einer Komödie? Nun ja, wo sie liegt können wir euch nicht sagen, aber wer sie austesten möchte, sollte sich definitiv “Der Spion und sein Bruder” ansehen!

Wie beim bisherigen Œuvre von Cohen beschränkt sich auch sein neuester Streich ausschließlich auf ein Wettbewerb von derbem Humor, der sich bei steigender Laufzeit immer weiter versucht zu toppen.  War es bei “Der Diktator” noch eine bissige Satire auf den Islamismus und seine Defizite und bei “Borat” öffentliche Bloßstellung, fahren die Geschütze hier prolligen Fäkalhumor mit drastischen Darstellungen auf. So werden blanke Hoden ausgesaugt, bei Verfolgungen wird sich in Elefantenvaginas versteckt und Kinder haben kein Problem damit Rollstuhlfahrer auf Bösewichte zu werfen.

Die Agentengeschichte wird in eine Bromedy konvertiert, was dem Schnitt deutlich zu Gute kommt. Denn bereits in der Eröffnungssequenz, die ähnlich wie Hardcore fast ausschließlich in POV Perspektive inszeniert ist, bekommt man Schwindelanfälle vom hohen Schnittduktus, der nicht nur eine Unübersichtlichkeit generiert, sondern auch von der filmischen Rezeption mehr als anstrengt. In den fortlaufenden Prügeleien scheint der Editor ebenfalls Epilepsie gehabt zu haben, denn bei einer knackigen Laufzeit von 82 Minuten bleibt nicht viel Zeit für komplexe Szenen. Im Gegenteil, der Film rast mit einem Irrentempo von Schauplatz zu Schauplatz und von Brachial- zu Fäkalhumor. Das wird einigen sicher sauer aufstoßen, denn anstatt den Ekel nur anzudeuten wird hier explizit draufgehalten.  Ein Wunder, dass die FSK hier nur die 12 ausgepackt hat, für Kinder ist Grimsby sicher nichts.

Wer von diesem Feuerwerk an Peinlichkeiten genervt ist und gleichzeitig kotzend ausschaltet sei entschuldigt. Cohen trifft hier einen Nerv und eine Grenze, die nicht jedem schmecken wird. Wenn man sich allerdings darauf einlässt, wird lachen wie schon lange nicht mehr. Schnappatmung, Ekel und Schock verbunden in einem kurzweiligen Agentenspaß, bei dem selbst Daniel Radcliffe und Trump mächtig auf die Schnauze bekommen. Manche werden sich eine Rakete in den Allerwertesten stecken wollen, um diesen Planeten zu verlassen, andere würdens sich gerne in einem Elefanten mit Nobby und Sebastian gemütlich machen. Diejenigen sollten allerdings mindestens 16 sein!

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Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Sony Pictures