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Shock

von Sean Theumer

Altmeister Mario Bava machte vor seinem Tod zusammen mit seinem Sohn der Geisterfilm Shock, der aus Vermarktungsgründen den Alternativtitel Beyond the Door 2 bekam. Eine Fortsetzung zu einem absoluten Spaßfilm, den heutzutage kaum jemand kennt kann ja eigentlich nicht schlecht sein oder?

Doch statt absolut wildem Exzess ist Shock dabei eher behäbiger Grusel über eine Frau die mit neuem Mann und Sohn in das Haus zurückzieht in dem sich ihr drogensüchtiger Ex-Mann umgebracht hat. Mit zunehmender Zeit benimmt sich der Sohn immer komischer. Ist er vom rachsüchtigen Geist des toten Vaters besessen?

Bava nimmt sich hier eher der entschleunigten Gangart an und nimmt sich viel Zeit für den Aufbau. Metaphern wie das sexuelle Erwachen des für sie ewig unschuldigen Kindes oder Trauma durch den frühen Verlust oder des gewaltsamen Aufwachsens werden dabei nur angerissen. So richtig zielgerichtet ist der Film dabei leider nicht. Bavas Gespür für stimmungsvolle Bildkompositionen und aufwändige Kamerafahrten ist da, aber nach heutigen Sehgewohnheiten ist das Erlebnis hier sehr angestaubt.

Zumal die Darstellerleistungen eher zweckhaft sind und manche Szenen eher unfreiwillig komisch wirken. Ein gutes Beispiel dafür ist eine unfassbare lange Szene in der Dora nahezu eine Minute wie am Spieß schreit. War das 1977 vielleicht noch richtiger Terror, schmunzelt man da heute eher drüber. Aber einen großen Pluspunkt hat Shock dann doch. Das Finale. Da wird dann auch jede subtile Andeutung über Bord geworfen und mit Getöse und einem absolut ikonischen Jumpscare der im 2019er Film The Prodigy 1:1 kopiert wurde.

Noch dazu ist das Ende fies und konsequent. Man fragt sich nur wieso man doch so viel Zeit damit verbracht hat, lange Andeutungen zu sehen. Immer wieder im Kopf von Dora gefangen zu sein, die hinterfragt ob ihr Verstand verrückt spielt oder wirklich Geister ihren Sohn heimsuchen. Für tolle Bilder und einem Schock kann man gerne nochmal einen Blick in den Film wagen, der eigentliche Film mit dessem Namen geworben wurde ist dabei aber als Exorzist-Verschnitt deutlich unterhaltsamer. Beyond the Door oder besser gesagt Vom Satan Gezeugt erschien sogar dieses Jahr auf Bluray!

Empfehlenswert für Halloween weil: Bavas Talent auch kurz vor seinem Tod noch unübersehbar war und Shock durchaus stimmungsvolle Bilder hat. Den Reiz des Finales kann der Film jedoch nicht aufrecht erhalten und dümpelt leider mit heutigen Sehstandards doch zu sehr auf der Strecke. Immerhin gibt es eine Szene die im modernen Horrorkino oft kopiert wurde, nur mit deutlich weniger Wirkung.

Die Bildrechte obliegen ©Blue Underground

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