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Speak No Evil

von Sean Theumer

Manchmal gibt es Filme, die einfach nur weh tun. Filme, bei denen man verzweifelt den Fernseher anschreien möchte, während man auf die unvermeidbare Eskalation im letzten Drittel wartet. Speak no Evil ist einer dieser Filme, der sich im letzten Jahr, auf dem Fantasy Filmfest einen Namen machte und Ende September im limitierten Kinostart ebenfalls. Und irgendetwas muss ja dran sein, wenn die Amerikaner bereits ein Remake angekündigt haben. Das verwundert jedoch, wenn man bedenkt, dass hier ohnehin zu 80 % Englisch gesprochen wird.

Wenn ihr euch an den Film wagt, solltet ihr zuerst eins bedenken. Es ist zu Beginn klar, dass die Lage immer angespannter werden wird und zum Ende eskaliert. Dass das Pärchen trotz mehrerer Red-Flags nicht den gesunden Menschenverstand einschaltet, um etwas zu unternehmen, wird aufwühlen. Aber damit erreicht Speak no Evil, genau sein Ziel. Dieser unangenehme Thriller wird euch testen und immer wieder hinhalten. Getragen von souveränen Schauspielleistungen fällt es aber schwer für die Familie in der Opferrolle jegliches Mitleid aufzubauen, hätte man selbst den Urlaub längst abgebrochen und wäre nach Hause gefahren.

Da setzt Speak no Evil etwas zu sehr auf Suspension of Disbelief in dem er zu sehr auf gutherzige Sozialdynamiken eingeht um die Eskalation zuzuspitzen. Ändert aber nichts daran, dass die bedrückende Atmosphäre und die ewigen Dialoge die immer unangenehmer werden, sehr sicher inszeniert sind. Immer mehr merkt man wie sich die Kehle zuschnürt, die Lage aussichtsloser wird und der perfekte Moment zum Abreisen längst vergangen ist. Und da spreche ich jetzt eine Warnung aus.

Ja, Speak no Evil ist ab 16 Jahren freigegeben, aber die letzten 20 Minuten sind in ihrer Gewalt kaum zu ertragen. Da wird so emotional distanziert das pure Grauen gezeigt, dass natürlich im Kopf der Gedanke schwirrt, wie vermeidbar alles gewesen wäre, hätte man die Signale nicht ignoriert, aber eine Szene im Auto und die letzten 5 Minuten sind wirklich hart. Ein absolut unangenehmer Film, der wirklich schockiert. Aber er ist leider wirklich gut inszeniert, toll gespielt und äußert effizient in seiner Wirkung. Dass ausgerechnet Janes Watkins das Remake macht ist dabei ein wirklicher Lichtblick. Wenn er da wieder in den Eden Lake Modus geht, könnte das noch eine ganze Spur unerträglicher werden.

Empfehlenswert für Halloween weil wir dieses Jahr kaum Grenzerfahrungen im Programm hatten und mit Speak no Evil ein richtiges Brett auf euch zukommt. Unangenehm, aufwühlend und im Finale nur die logische Konsequenz aus allen Fehlentscheidungen. Ob Bjørn und Louise das so verdient haben liegt in eurer Entscheidung. Ein richtiger Nailbiter!

Die Bildrechte obliegen ©Plaion Pictures

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