Eden Lake

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Der Tag, auf den die Kinder der Nacht bereits sehnlichst warten, steht kurz vor unserer Tür. Um dem absoluten Horror standhaft gegenüber zu sein, ist der vorletzte Vertreter unserer diesjährigen Oktoberreihe ein kräfteforderndes Terrorwerk, welches aufgrund seines erschütternden Maßes an Grausamkeit wahrhaft nicht jedem zu empfehlen ist – auch wenn gerade dieser Fakt eine Erstsichtung so reizvoll macht.

Die Handlung von Eden Lake erzählt spiralförmig über Missverständnisse und Fehlhandel innerhalb unserer Gesellschaft. Als Vorzeigesubjekt wird uns ein erwachsenes Pärchen gezeigt, das inmitten der Natur an einem blendend schönen See ein gemeinsames Wochenende verbringen möchte. Die selbe Ecke hat sich ebenfalls eine Gruppe von Jugendlichen ausgesucht, die das Fleckchen Natur bislang scheinbar nie teilen mussten. Dies ist das Fundament, auf dem Drehbuchautor und Regisseur James Watkins zwei Parteien aufeinandertreffen und sie mit grauenerregender Konsequenz ausarten lassen.

Zu einer Pause, einem Wendepunkt oder einem Rückzieher kommt es nicht. Eden Lake zeigt Taten, von denen sich jeder vorher Bewusst sein sollte, sie umzusetzen zu wollen. So tritt Handeln auf Handeln ohne eine Sekunde innezuhalten. Umgesetzt ist dies mit einer freudenentziehenden Atmosphäre, einem düsteren Score und einnehmenden Bildern, die zeigen, was nötig ist, um auf eindringliste Art verzweifelt und zugleich nachdenklich zu werden. Dies funktioniert besonders durch die dominanten Elemente des Dramas, die mitsamt des Torture-Horrors die vollkommene Bösartigkeit formen.

Abseits der Inszenierung sind es die Charaktere, deren Zeichnung und Bedeutung, die den Sinn des Geschehens bilden; Die Jugendlichen haben kein modernes Realitätsbild. Sie leben jenseits von Städten und großen Geschehnissen, die ihnen einen Bezugsgrund zu Eilmeldungen und Nachrichten geben würden. Stattdessen bildet die geringe Anzahl der Teenager eine einzig existente, in ihrer eigenen, kleinen Welt verschlossenen Gruppe, aus der niemand ausgeschlossen werden möchte. Gemeinsam verbringen sie ihre Freizeit im Wald, hören so laut, wie sie wollen, ihre Musik und betrinken sich abends vor dem Lagerfeuer. Wohl nie wurde ihnen all das jemals untersagt – und mit dieser selbstherrschenden, dennoch nicht selbstbeherrschenden Haltung treten sie dem städtischen Pärchen gegenüber. Die zunehmenden Gewaltausbrüche und Verherrlichungen seitens des Gruppenanführers sind darüber hinaus wohl rückführend auf häusliche Gewalt angedeutet, was das Geschehen des Filmes umso kritischer macht.

Eden Lake, das heißt, das Grundwesen des Menschen, das schon von Anbeginn existiert. Auf dieser Basis ist James Watkins Horrordrama, kombiniert mit Thrill und Torture-Horror, ausgelegt. Bemerkenswert sei, dass der enorme Grat an Brutalität nie zum Selbstzweck verfällt, auch wenn das Maß an Erträglichem mehr als ausschöpft.

Empfehlenswert für Halloween, weil: Bewunderer von Wes Craven’s Das letzte Haus links auf unberechenbare Kosten kommen. Solch eine narrative Konsequenz, wie sie bei Eden Lake zu sehen ist, findet man kein zweites Mal – und ein solch abstoßendes Ende ebenfalls nicht.

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