Falciani und der Bankenskandal

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In der neu erschienenen Dokumentation „Falciani und der Bankenskandal“ arbeitet Regisseur Ben Lewis die Geschichte des Whistleblowers Hervé Falciani auf, welcher mit der Aufdeckung von Steuerhinterziehungen weltweit für großes Aufsehen sorgte.

„Falciani und der Bankenskandal“ handelt von der Geschichte rund um den Whistleblowers Hervé Falciani, der eher zufällig einen der größten Steuerhinterziehungsskandale der Geschichte aufdeckte. Dabei gewährt uns Regisseur Ben Lewis einen sehr aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen des Banken- und Steuersystems, führt Interviews mit hohen Tieren der HSBC Bank sowie mit Steuerhinterziehern und bietet zudem mehrere Male einen direkt zum Publikum sprechenden Hervé Falciani, der jenem sein Vorgehen und seine Motive erläutert. Sichtlich stolz und sicher über sich selbst und seine ausgelösten Folgen sprechend, trotz nach wie vor drohender Haftstrafe in der Schweiz, scheint es den Mann wenig zu kümmern, dass viele Menschen ihn liebend gern hinter Gittern sehen würden. Als „Robin Hood“ bezeichnet Falciani sich, während die Schweiz ihn als „gemeinen Kriminellen“ sieht. Doch nicht nur Falciani selbst heroisiert seine, je nach Ansicht guten oder schlechten Taten, auch der Film feiert den Whistleblower mächtig ab, geht jedoch nie so weit, die Objektivität zu verlieren und wie ein Propagandafilmchen zu wirken. Im Gegenteil; „Falciani und der Bankenskandal“ stellt die einzelnen Faktoren einander kritisch gegenüber und gibt zudem Aufschluss über die Wege des Steuerhinterziehens, den Grund für den sicheren Ruf der Schweizer Konten und zeigt obendrein die Mängel des Steuersystems auf, die Betrug überhaupt erst möglich und insbesondere so attraktiv machen. Denn obwohl Hervé Falciani die Daten der Steuerhinterzieher bereits 2009 an die französische Regierung übergab dauerte es aufgrund von diversen Datenschutzkonflikten mehrere Jahre, ehe eine gerichtliche Klage der Behörden erfolgen konnte. Falcianis Aufdeckungen waren übrigens auch ausschlaggebend für die Selbstanzeige vieler tausend Steuerhinterzieher, Uli Hoeneß eingeschlossen.

„Falciani und der Bankenskandal“ ist spannendes und packendes Dokumentationskino der besten Sorte, das aufgrund seiner Komplexität durchaus mehr als nur einen Blick wert ist. Interessant ist diese Dokumentation insbesondere in der Hinsicht, dass das endgültige Ende erst noch von den in den nächsten Jahren erfolgenden Ereignissen geschrieben werden wird.

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