Happy Deathday

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Das Horrorgenre bekam Mitte der Neunziger einen gewaltigen Kick mit dem Slasher Scream. Fortan gab es immer wieder kleinere Experimente, unter anderem auch mit Zeitreise-Geschichten wie sie beispielsweise in Triangle oder The House at the End of Time präsent waren. Mit Happy Deathday gibt es nun eine Kombination aus Beidem, produziert für einen schmalen Taler von Jason Blum mit einem grandiosen ersten Box-Office-Wochenende. Danach sackte die Begeisterung für Christopher Landons Film schnell ab und wir können uns genau vorstellen wieso.

Doch Happy Deathday macht auch einige Sachen richtig, denn er lässt dem Horrorfilm sein Mysterium und versucht nicht eine Sekunde die Erklärbärkeule zu schwingen und die Zeitreisefähigkeit der Protagonistin zu erklären oder aufzulösen. Die Inszenierung zielt ohne Abstecher (mit einigen echt spannenden Momenten), auf eine geradlinige Stringenz ab und erzählt episodisch nach Muster den “letzten Tag” im Leben von Tree. Diese wird von Jessica Rothe ebenfalls gut dargestellt, auch wenn der Charakter eher Antipathie erzeugt. Diese Abneigung, die man direkt in den ersten Minuten entwickelt, ist jedoch purer Selbstzweck der Inszenierung um eine kindgerechte Moral aufzuzeigen.

Und da beginnen direkt die Probleme. Eine niedrige Altersfreigabe ist kein Totschlagargument für einen Horrorfilm, solang er nicht auf Gewalt abzielt. Happy Deathday möchte jedoch in seinen Tötungsszenen wüten, doch bleibt dabei so glattgeleckt und harmlos, dass man sich fragen muss wieso der Film nicht in jedem Land eine vergleichbare FSK12 bekommen hat. Man möchte also eine Mischung aus Scream und Und täglich grüßt das Murmeltier machen, doch fehlt dazu eine meta-parodistische Ebene und die nötige Kinetik.

Happy Deathday Kritik

Man fragt sich nämlich nicht nur ein Mal warum Tree nicht einfach irgendwo eine Waffe entwendet und am gleichen Ort zur gleichen Zeit auf ihren Killer wartet, um kurzen Prozess zu begehen und in Frieden weiter zu leben. Happy Deathday bleibt in allen Belangen zu zahm und schafft es nicht dem Genre den frischen Wind zu verpassen, wie es eigentlich abgezielt wird. Im Gegenteil, es werden die Symptome der modernen Blumhouse Ära erneut bestätigt. Miserabel platzierte überlaute Jump-Scares, blaustichige Digitaloptik und uninterssante Stereotypen.

Die Auflösung bekommt jedoch einen ersten frischen Kick durch einen kleinen Twist, der immerhin für einen kurzen Moment einen bissigen Angriff ausführt. Doch gerade in den letzten 45 Sekunden, in denen die komplette Tonalität von Happy Deathday hätte auf den Kopf gestellt werden können, zieht man die Samthandschuhe, da man dem Publikum keinen harten Schlag ins Gesicht geben möchte und lässt den Film in einem schnulzigen Teenagerende ausgehen, dessen Beziehungswirrwarr ohnehin schon die letzte halbe Stunde dominierte.

Statt frischen Wind gibt es abgestandene Dosensuppe, die immer wieder großartiges Potenzial aufblitzen lässt. Bei diesen kurzen Blendungen bleibt es jedoch, da wir hier standardisierte Koste in schöner Verpackung bekommen. Scheinbar bleiben Get Out und The Gift die einzigen Ausreißer in der Blumhouse-Ökonomie. Der Mainstreamhorror bleibt im Jahr 2017 weiterhin schwach.

Happy Deathday Poster

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Universal Pictures.