Kickboxer: Die Vergeltung

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John Stockwell ist primär für exotische Kulissen und leicht bekleidete Damen bekannt. In jedem seiner Filme übernahmen etliche Aufnahmen von traumhafter Landschaft einen Teil der Hauptrolle und auch sonst konnte konnte sich Stockwell immer als solider Genrehandwerker beweisen. Seien es spritzige Wasserabenteuer wie Blue Crush oder Into the Blue, Spannender Torture Porn mit Turistas oder eine überspitzte Gewaltorgie in Cat Run. Mit Kickboxer: Die Vergeltung beweist er allerdings nur, dass er unfähig ist Martial Arts zu inszenieren.

Dabei könnten die gelbgefärbten Digitalbilder und der merkwürdige Schnitt bereits prophezeien, was sich hier auf 90 Minuten ausdehnt. Kickboxer: Die Vergeltung sieht, ähnlich wie Skiptrace, aus, als hätte man den Film mit einer normalen Kamera abgedreht, um dann mit der Post Production den Filmflair zu integrieren. Beinahe alles wirkt dilettantisch. Seien es die Darsteller, abgesehen von Jean Claude van Damme, der hier offenbar mit Leib und Seele am Werke ist, die merkwürdigen Dialoge und die Charaktere. Man beachte Dave Bautista mit Rastazopf. Doch das ist bei einem Martial Arts Streifen bei weitem kein Indikator für wirklich schlechte Unterhaltung, wenn er das souverän macht, was er ankündigt. Doch auch hier versagt Kickboxer: Die Vergeltung beinahe völlig. Trotz treibender Musikunterlegung schafft es weder Kamera, Schnitt noch Bewegung eine gewisse Dynamik zu erzeugen, im Gegenteil. Brav werden die Choreografien ausgeübt und aus diversen Kameraperspektiven und Wiederholungen tauglich gemacht. Lediglich im recht ausführlichen Finalkampf konzentriert sich der Film voll und ganz auf sein Genre. Zuvor wird noch ein Kampf auf vermeintlichen Elefanten gezeigt, bei denen im Close Up klar wird, dass sich der Hauptprotagonist auf nachgestellten Papptieren rollt und Schellen verteilt. Das widerspiegelt so ziemlich den Tiefpunkt der gesamten Anderthalbstunden.

Der Kampf zwischen Alan Moussi und Batista versprüht gelegentlich etwas Druck und zieht die Gewaltschraube mächtig an, was das Trauerspiel letztendlich auch nicht mehr vor dem Untergang rettet. Während Gareth Evans mit 1.1 Millionen Dollar ein Maßstäbe setzendes Meisterwerk in die Kinos bringt, pumpen amerikanische Studios Kickboxer: Die Vergeltung beispielsweise 17 Millionen Dollar in den Allerwertesten, während man als Zuschauer nur spekulieren darf, in welchen Szenen das Geld angelegt wurde. Aus einem beliebten B-Movie Underdog wird ein modernes, gescheitertes Halb-Remake, Halb-Sequel. Lediglich Jean Claude ist der einzige Lichtblick in einem Tal voller Dunkelheit. Am Ende bleibt ein Actionfilm, bei dem nichts stimmt. Leider nicht einmal die Action.

kicker

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