Maggies Plan

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Es gibt sie immer, jedes Jahr. Die romantischen, „arthousigen“ Klientelkomödien für die Zielgruppe der Mittzwanziger/-dreißiger aus der Mittelschicht, mit geisteswissenschaftlicher akademischer Bildung, leicht konsumierbar mit leichter, gespielter Verkopftheit und den homöopathischen Berühren von Fragestellungen „aus dem Leben“, damit man sich beim Konsum nicht stumpf fühlen muss. Solche Weichspüler-Lustspiele kommen bevorzugt aus dem europäischen Ausland, gerne aus Frankreich, Spanien oder Skandinavien und gehen seit dem bombastischen Erfolg von „Ziemlich beste Freunde“ immer wieder gut an der Kinokasse. Allein dieses Jahr sind u. a. „El Olivo – Der Olivenbaum“, „Alles was kommt“ und „Frühstück bei Monsieur Henri“ zu nennen. Die filmische Qualität dieser Gattung fällt meist, na ja, sehr bescheiden aus.

„Maggies Plan“ lässt ähnliches vermuten. Angesiedelt im Intelektuellen-Milieu, check; zu einem gewissen Maß neurotische Charaktere, check; verkorkste Beziehungen als das humoristische Sujet, check. Man kann von Glück reden, dass der neuste Film von Rebecca Miller einem Woody Allen in seinen besten Zeiten näher steht als den Filmen dieser nicht geraden erfreulichen Tendenz in den größeren Programmkinos. Das liegt allein schon an den sehr lustvoll engagierten Akteuren: Ethan Hawke – mit meiner Meinung, er sei einer der größten Akteure unserer Zeit, steht man leider recht alleine da – als mittelalter Professor und Julianne Moore, die seit „The Big Lebowski“ nichts von ihrem Talent fürs Komödiantische verloren hat und hier als dänische, blasierte Linguistin auftritt, sind schon eine Klasse für sich. „Maggies Plan“ erhält seine Seele aber vor allem von eine: Greta Gerwig als Maggie, die den Film atlasgleich trägt. Seit „Frances Ha“, einem der schönsten amerikanischen Independentfilme der letzten Jahre, kann sie als eine der wichtigsten Schauspielerinnen der etwas mainstreamabseitigeren Filmgefilde gelten. Ihre spielerische Reichweite und Gespür für vielschichtige Frauenfiguren, denen Gerwig eine so immense Würde verleiht, bereichert auch diesen Film. Wie sie hier in Stricksachen von einer kleinen Peinlichkeit zur nächsten stackst, ist einfach hinreißend.

Natürlich ist in „Maggies Plan“ alles so unfassbar banal. Das spielt aber keine Rolle, den es wirkt wundersamerweise so, als wüssten der Film und seine Charaktere in jeder Sekunde davon; man hat sich einfach darauf geeinigt. Das ganze Leben ist natürlich banal, und genau deshalb sieht man so gerne zu. Marcel Reich-Ranicki hätte gesagt: „Intelektuelle interessieren mich einfach“. Kein Kitsch, so müssen Rom-Coms sein: Anders. (man könnte „Maggies Plan“ ein Rom-Com-„Memento“ nennen, denn er beginnt dort, wo viele schon aufhören.) Und vor allem wirklich lustig und wirklich romantisch. So etwas ist selten.

Somit ist „Maggies Plan“ ein Film für alle, denen der späte Woody Allen nichts mehr geben kann und für die, die sich eine Komödie für die Herbst- und Wintertage suchen. Irrungen, Wirrungen, die Schneeschmelze im New Yorker Frühling. Schön.

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