Rosemarys Baby

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Im Jahre 1968 wurde Horrorfilmgeschichte geschrieben. Eine Geschichte die in ihrer Wahrnehmung bisher nie wieder erreicht wurde und mit der Regisseur Roman Polanski gerade mal nach einem Jahr erneut ein Meisterwerk auf die Leinwand entsandte. Die junge Rosemary zieht mit ihrem Mann Guy in eine Mietwohnung, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, bei dem der Kinderwunsch endlich erfüllt werden soll. Dabei freunden sich die Beiden mit einem alten Ehepaar an und teilen gemeinsame Abende miteinander, bis Rosemary plötzlich nach einer Mousse au Chocolat ohnmächtig wird und träumt, dass sie von dem Teufel vergewaltigt wird. Verwirrt am nächsten Morgen erzählt Guy ihr, dass sie letzte Nacht Sex hatten und Rosemary beruhigt sich wieder. Bis sich plötzlich merkwürdide Ereignisse häufen und die Nachbarn immer mysteriöser werden. Dabei macht Polanski es dem Zuschauer alles andere als leicht und erzählt in einer ausführlichen Exposition von den Lebensumständen in der Wohnung, ersten Bekanntschaffen und der Angewöhnung ans neue Umfeld. Der Zuschauer bekommt von der Inszenierung die eindeutige Identifikationsfigur, Rosemary, in den Fokus gerückt, bis der Film nach einer dreiviertelstunde seine gesamte Wucht entfaltet. Man erlebt die Investigation am eigenen Leibe mit, wird mit Themen wie Satanismus, Okkultismus und schwangerschaftlicher Paranoia immer wieder an den Rand des Wahnsinns getrieben. Man wird gezwungen zu distinguieren ob es sich lediglich um eine gedankliche Manifestation der Angst handelt, eine Paranoia da sich das Umfeld beginnt abzuspalten und zu verändern (oder ob es selbst nur aufgrund der Schwangerschaft tut) oder ob die Vergewaltigung lediglich eine Halluzination im Traum wahr. Dabei sperrt Polanski Rosemary immer wieder in ein Gemäuer aus Hinterfragung und Zweifel, während sich die Wände mit ansteigender Laufzeit kontinuierlich verengen. Es ist die pure Suggestion, die das Handeln beherrscht. Die Paranoia beginnt Besitz zu ergreifen, die Atmosphäre drückt sich ungemütlich in den Vordergrund, lässt die Indiziensuche verstummen und gipfelt in einem Finale, dass in seiner Spannung nahezu unerträglich ist.

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©Paramount

Achtung! Erhebliche Spoiler

Es vermengen sich Realität und Fiktion und das aussichtslose Ende offenbart sich in mimischer Erschütterung. Wir erkennen, dass die Ausgeburt des Teufels durch Rosemary auf die Erde gekommen ist und jegliche Todesfälle von Freunden Rosemarys, nicht nur eine Verkopplung von ungünstigen Ereignissen oder die Erblindung von Guys Schauspielkonkurrenten ein Unfall war. Am Ende herrscht das blanke Entsetzen in den Augen von uns und der jungen Mutter. Ein Entsetzen, dass schlussendlich in Liebe endet, als Rosemary ihr Babyglück erkennt und mit einem Lächeln die Wiege ins Schaukeln bringt, während sich der unvergessliche Score ein letztes Mal aus dem Hintergrund erhebt. Rosemarys Baby ist mit Sicherheit einer der besten Horror/Psychothriller, der je auf die Leinwand losgelassen wurde. Ein beängstigend langsamer kalter Hauch in den Nacken mit extremer Nachhaltigkeit, nach dem es sichtlich schwer fällt, beruhigt in den Schlaf zu gleiten. Nicht nur allein aus filmhistorischer Sicht ist Rosemarys Baby eine absolute Pflicht, sondern auch ein wirklich beunruhigender Slowburner, der auch nach mehrfachem Gucken immer noch einen kalten Schauer über den Rücken jagt. Vielleicht der beste Psychthriller/Horrorfilm, der je gedreht wurde.

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