Sausage Party

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Da ist schon der nächste Streich der Seth Rogen/Evan Goldberg-Komödienschmiede, an deren Produktionen wie „Superbad“ und „The Interview“ sich das Feuilleton regelmäßig die Zähne ausbeißt: Soll man das ganze jetzt verreißen oder doch als subtextgeschwängert lobpreisen? Auch „Sausage Party“, dem ersten „R-Rated“ CGI-Animationsfilm, wird es nicht anders ergehen. Selbst wenn die Erwartungen nach dem Trailer noch so niedrig angelegt sein mögen; eine verblüffende Erfahrung ist dieser Film wirklich.

Aus der Grundfrage „Was, wenn Nahrungsmittel lebendig wären?“ entsteht die gleichermaßen absurde Handlung, die vorrangig von der Odyssee des Hot Dog-Würstchens Frank und seiner Geliebten Brenda, einem dazugehörigen Brötchen in einem amerikanischen Supermarkt bestimmt ist, in Folge derer sie einigen dubiosen Gestalten begegnen und erschütternden Wahrheiten auf die Schliche kommen.

Anthropomorphe Lebensmittel. Daraus hätte auch der neue Konsenshit von Pixar werden können, stattdessen haben Greg Tiernan und Conrad Vernon („Shrek 2“) einen ziemlich kaputten Film gemacht, dessen Freigabe sicher nachvollziehbar ist. Mit anarchischer Freude toben sich die Macher aus und reihen alle Spielarten des Humors aneinander. Fäkal- und Sexualhumor überwiegen, sind unangenehm gedehnt und versanden. Zum Glück hat „Sausage Party“ aber auch eine zweite Seite. Im Minutentakt prasseln Anspielungen auf Filme und die Weltpolitik auf den Zuschauer ein – die Parodie der Strandsequenz in „Der Soldat James Ryan“ oder die Aufarbeitung des Israel-Palästina-Konfliktes sind schlicht und einfach genial – und machen „Sausage Party“ zu einem echten Feuerwerk der Political Incorrectness.

Mehr ist der Film auch nicht, wenngleich man vom direkten Bezug der Story auf Probleme des blinden Glaubens und ideologischer Verblendung erst einmal überrascht wird. Überbewerten sollte man diesen vermeintlichen „Subtext“ nicht, denn Subtilität ist wohl das letzte, was man einem Film wie „Sausage Party“ unterstellen kann. Die detailreiche Animation mit nettem Charakterdesign und das orgiastische Ende (auf verstörende Weise ist es faszinierend, wie viele sexuelle Praktiken man mit Lebensmitteln darstellen kann) als bissig-zynischer Metakommentar auf den Gesundheitswahn und die Filmemacher selbst können vielleicht manchen Zuschauer für Momente des Zehennägel-Aufrollens entschädigen und „Sausage Party“ zu einer kurzweiligen Zwerchfellattacke machen. Aber bitte im O-Ton.

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