Batman v Superman: Dawn of Justice

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Nun kommt es endlich in die Kinos, das heiß erwartete Aufeinandertreffen von Batman und Superman. Ob mit diesem Film möglicherweise eine neue Art von Superheldenfilm das Licht der Leinwand erblickt?

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Doch blicken wir erst einmal ein paar Jahre zurück. Die Nolan’sche Batman-Ära ist vorüber. Der Regisseur, der mit der Reihe den Begriff des Superheldenfilmes sowohl inszenatorisch wie intentionell grundlegend veränderte, beschloss recht früh, keinen weiteren Film der Comicfigur drehen zu wollen. Aus diesem Grund begrub seinen Titelhelden zum Abschluss einer wunderbar andersartigen, einfallsreichen Reihe höchst würdevoll und mit dem nötigen Respekt. Nolan schaffte wie wohl kaum ein anderer Regisseur, echte Emotionen im Zuschauer während der filmischen Verabschiedung eines geliebten Menschen hervorzurufen, der so nah und doch so fremd war. Nach „The Dark Knight Rises“ war ein Kapitel im Kino abgeschlossen. Auf das Grab eines Helden wurde ein Denkmal gesetzt, den wir am liebsten nie wieder nochmals auf der Leinwand gesehen hätten. Doch nur vier ganze Jahre durfte dieser Held ruhen. Nun wird das Grab aufgerissen, mitsamt seinem Denkmal entfernt und ausgehoben. Aus der Erde ausgegraben erhebt sich abermals ein Batman. Ein neuer Batman, der eigentlich wunderbar auf den von Nolan gesetzten Steinen weiterlaufen und aufbauen könnte, der das Vermächtnis des Regisseurs ehren und weiterführend könnte. Wie gesagt: könnte.

Denn „Batman v Superman“ ist nicht auf diesen Steinen aufgebaut. Im Gegenteil – Zack Snyder pfeift auf die cleveren Richtungsweiser Nolans, hebt sozusagen ein weiteres Grab aus, schmeißt die Verbleibsel von Nolans Figur hinein und buddelt stattdessen den Begriff aus, der prägend für das Superheldengenre der letzten Jahre aus dem Hause Marvel war; Materialschlacht.

Denn genau das und nichts anderes ist „Batman v Superman“ – eine gigantische und äußerst schmerzvolle Zerstörungsorgie ohne jeglichen Sinn und Verstand. Dass Regisseur Snyder sich hier sehr deutlich von den Marvel-Verfilmungen der „Avengers“ inspirieren ließ lässt sich in nahezu jeder Szene von der Leinwand ablesen. Doch blicken wir zunächst einmal auf andere Aspekte als die der Zerstörung. Werfen wir einen Blick auf die Aufmachung, auf die Inszenierung des ganzen Drum und Dran. „Batman v Superman“ tut so, als wäre er anders als jeder Marvel-Film. An vielen Stellen tauchen Ansätze Snyders auf, diesen Film in ein politisch wichtiges Kunstwerk zu verwandeln. Dass der Film selbst seinen Versuch als erfolgreich bezeichnet ist der traurige Beigeschmack, der aufkommt wenn im Gerichtshaus von Gotham über Justiz und Gerechtigkeit debattiert wird. In diesem Aspekt ist „Batman vs. Superman“ also ziemlich gut vergleichbar mit dem sich selbst ebenfalls für politisch wertvoll haltenden jüngsten Film der James Bond-Reihe „Spectre“.

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Doch damit nicht genug. Zack Snyder will weiter revolutionieren, will sich weiter von Marvel und den „Avengers“ distanzieren, und beschließt, sich zumindest in diesem einen Punkt an Christopher Nolan zu halten; dem des düsteren, realistischen Looks. Snyders Film bietet tatsächlich wenig Sonnenlicht, spielt die meiste Zeit in dunklen Räumen oder in verfallenen Gassen und Gegenden. Insbesondere die ersten Minuten, in den der Regisseur einen interessanten Kontrast zu Nolans Version des Todes von Bruce Waynes Eltern liefert, überzeugen durch eine gewisse Ästhetik sowie einem Schnittwechsel zwischen dieser und der berühmt-berüchtigten Szene, in der Bruce das erste Mal auf Fledermäuse trifft. Doch hier wäre schon die nächste Kritik angebracht, denn Snyder versäumt es, der Szene eine tiefere Bedeutung zu verleihen (siehe: „Why do we fall?“ in „Batman Begins“), obwohl sie doch entscheidend für die spätere Entwicklung des Charakters ist. Doch während man in den ersten zwei Stunden doch noch überwiegend ruhige Momente und nur vereinzelt einen zerstörungswütigen Ausbruch von „Batman v Superman“ hat, bekommt Snyder das wirklich entscheidende auch da nicht hin, wie schon zuvor in der Eröffnungsszene. Das Problem resultiert hierbei aus die Vernachlässigung der Vertiefung der Charaktere, lediglich in Bruce Wayne wird dem Zuschauer ein halbwegs emotionaler Einblick gewährt, doch auch der wirkt insgesamt recht inszeniert und unglaubwürdig, viel zu unterkühlt und motivationslos, sodass man schnell das Interesse an den Charakteren verliert. Dafür sind insbesondere auch die größtenteils mangelhaften darstellerischen Leistungen ein wichtiger Grund, denn lediglich Ben Affleck in der Rolle des Bruce Wayne liefert eine solide Figur, obgleich seine schauspielerische Motivation sich arg in Grenzen hält. Ähnlich im motivationstechnischen Sinne verhält es sich mit seinem Gegenspieler Henry Cavill. Doch zwei untalentierte und unmotivierte Hauptakteure wären nicht ganz so schlimm, wenn zumindest das Casting des Schurken besser ausgefallen wäre. So verpflichtete man leider Jesse Eisenberg, der die Rolle des Lex Luthor übernimmt. Seine Interpretation des Wahnsinns dieser Figur ist dabei das eigentliche Manko. Wie ein Hampelmann herumspringend, mit zerzaustem Haar und hibbeligem Overacting wirkt es fast so, als versuche er die Joker-Rolle Heath Ledgers auszufüllen.

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Das Interesse am Film ist zu diesem Zeitpunkt allerdings noch immer nicht gänzlich verflogen. Wir befinden uns mittlerweile kurz vor dem Showdown, Batman und Superman haben sich bereits gegenüber gestanden, ein wenig die Fäuste fliegen lassen, allerdings ohne dass den Zuschauer dieses Kräftemessen sonderlich mitgenommen hätte. Nun jedoch steht „Batman v Superman“ kurz davor zu kollabieren, denn es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem unfreiwillig offenbart wird, dass es sich leider nicht um eine Distanzierung von den „Avengers“ handelt. Der düstere Look, die an den Tag gelegte Seriosität, die nicht vorhandene Selbstironie, sie werden allesamt in einem an negativem Gigantismus kaum noch zu übertreffenden Finale dem Erdboden gleich gemacht. Eine geschlagene halbe Stunde explodieren hier ein paar Autos, da ein paar Häuser, hier und da stirbt eine Person, allerdings ohne dass Snyder sich traut mit der Kamera voll draufzuhalten und so eventuell eine gewisse Brutalität zu erzeugen, die dem Film sicherlich aufgrund des Looks sehr gut getan hätte. Ohne ein Fünkchen Ironie muss der Zuschauer durch eine bierernste Materialschlacht, der nun sogar noch die Distanzierung zu Marvel in den Rücken fällt. Die Seriosität, die leider nach wie vor oberflächlich präsent ist, wird von Snyder durchgehend aufrechterhalten, selbst als sich mit lautem Kampfgeschrei Wonder Woman auf seltsame kryptonianische Wesen stürzt. Nun wird die fehlende Ironie zur Schwäche, denn „Batman v Superman“ beginnt lächerlich zu werden. Ebenso bestätigt sich während dieses Finales die Vermutung des Zuschauers, dass ein Drehbuch wohl zweitrangig war. Peinlich-einfältige, naive Dialoge prägen die wenig episch wirkenden Schlachtenbilder, die wie eine Aneinanderreihung einiger Szenen wirken, denen allerdings der rote Leitfaden vollkommen fehlt. So ist also auch dieser Aspekt wieder vergleichbar mit dem zuvor schon genannten „Spectre“.

Die wichtigen Fragen nach „Batman v Superman“ heißen; wie konnte man so viel Budget in den Sand setzen, obwohl Christopher Nolan doch bereits vorgelegt und gezeigt hatte, wie ein guter Superheldenfilm dieses Universums funktioniert? Wie konnte man eine so revolutionäre Intention eines Regisseurs zunichtemachen, indem man dem Zuschauer letztendendes erklärt, dass es sich bei Batman und Superman doch um Helden handelt? Wie konnte man überhaupt die Sinnlosigkeit einer Materialschlacht, wie sie in Marvels „Avengers“ geboten wurde eigentlich noch übertreffen? Doch die eigentlich wichtigste aller Fragen lautet: wie schafft man es, eine Fortführung dieses Franchises zu verhindern?

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