Der Mann, der niemals aufgibt

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Clint Eastwood-Retrospektive #6

Die bisherigen Filmbeiträge unserer Clint Eastwood Retro hielten die Qualität immer über dem Mittelmaß, doch leider kommt nun mit The Gauntlet, der auf deutsch den markanten Titel Der Mann, der niemals aufgibt trägt, der erste Ausreißer in seiner Vita. Vielleicht versprühte Der Mann, der niemals aufgibt in seinem Erscheinungsjahr 1977 noch etwas wie Charme und Coolness, doch der actiongeladene Krimi ist furchtbar schlecht gealtert.

Die Geschichte bleibt dabei auf recht gängigen Pfaden mit einem harten Cop, der aus dem Gefängnis in Las Vegas eine Prostituierte in sein zuständiges Revier eskortieren soll, doch die Mafia hat es auf die Dame abgesehen und es kommt zur Verfolgung. Das verspricht auf den ersten Blick sicher ordentliches Tempo, scheitert allerdings direkt bei einer Laufzeit von 110 Minuten. Der Mann, der niemals aufgibt ist eine inszenatorisch ungelenktes Durcheinander, dass zudem mit seiner chauvinistischen Ader sauer aufstoßen lässt. Clint Eastwood bekommt als Ben Shockley die Coolness direkt zugeschrieben, wenn er lässig mit leerer Schnapsflasche aus seinem Auto steigt und mit einer Anti-Alles Attitüde direkt dem neuen Polizeichef vorgestellt wird.

Der Mann, der niemals aufgibt

Bei seiner Ankunft im Gefängnis spürt er direkt den Krankheitsbetrug der Prostituierten Gus auf und schlägt ihr erstmal direkt in Gesicht, was von allen Außenstehenden als völlig normale Reaktion abgestempelt wird. Im weiteren Verlauf darf die Charakterschiene von Gus aber selbstverständlich nicht aus der verzehrenden Wollust ausbrechen. Obwohl ihre Begrüßung mit Gus aus einem Schlag in die Fresse bestand, verfällt sie ihm natürlich direkt nach der ersten Rettung und möchte sich mit ihm vergnügen, was dort von Ben allerdings noch abgelehnt wird. Wie in den alten James Bond-Filme herrscht auch das typische Geschlechterrollenbild aus harten und attraktiven Mann und schwacher Frau, was zur damaligen Zeit vielleicht üblich war, heute jedoch nicht mehr so akzeptiert werden sollte.

Seine Defizite setzt Der Mann, der niemals aufgibt auch direkt in der Inszenierung fort. Eastwood wollte einen Genremix aus Krimi, Action und leichter Komödie machen, hat hier allerdings überhaupt kein Gespür für die einzelnen Faktoren. Die Action ist überlang und ohne echte Höhepunkte und kann lediglich mit einem angenehmen Gewaltgrad punkten. Es wäre ja auch traurig wenn der harte Polizist nicht ordentlich austeilen dürfte. Zwischen den Actionszenen verwebt man sich in vielen derben Dialogen, die nicht nur die Kinetik ausbremsen, sondern auch dafür sorgen, dass sich der Charakter von Sondra Locke in ein immer unangenehmer (im Sinne von nervtötend) werdendes Spektrum entwickelt. Letztendlich wartet man vergebens auf schöne Action, da der strukturelle Aufbau des Filmes generell nur zwischen Dialog- und Actionszene pendelt, und verbringt satte 110 Minuten mit dem Absitzen auf der Couch, welches mit der generischen Entwicklung nur noch austauschbarer wird. Leider eine saftige Enttäuschung.

Der Mann, der niemals aufgibt Poster

 Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Warner Bros.