Die Brücken am Fluss

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Clint Eastwood-Retrospektive #18

Es ist unbestreitbar, dass Clint Eastwood oft eine verwerfliche Darstellung der Frauen in seinen frühen Filmen hat. Selbst die Zeichnung des Mannes blieb gleichermaßen einseitig, nur dass diese mit positiven Bewertungen ohne kritischen Ecken und Kanten dargelegt wurden. Doch seit 1992 erleben wir einen „Clint Eastwood 2.0“, mit makellosen Neuausstattungen und reflexionsfähigen Tiefen. Noch dazu ist sein Gefühl zur Dramatik und Melancholie um Weiten verschärft. Besonders das Letztere darf er in seinem Melodrama Die Brücken am Fluss, mit Meryl Streep in der Hauptrolle, erfolgreich demonstrieren.

Erstmals, und das sollte großmarkiert festgehalten werden, pausiert die Darstellung des Männerbildes in der sich stetig entwickelnden Kunst des Clint Eastwood. In seinem 18. Spielfilm wird erstmals das Bild der Frau in unserer Gesellschaft zentriert und welche Maße von ihr bedingt erwartet werden, um die Akzeptanz der Mitmenschen beizubehalten. Streep spielt dabei die Familienmutter Francesca, in dessen Leben sich das konstante Gefühl von Ereignislosigkeit gefestigt hat. An dem ersten der vier Tage, über die sie das Haus für sich hat, kommt der ihr fremde Fotograph Robert vorbei, der nach dem Weg zu einer sonderbar schönen Brücke fragt. Während sie ihn dorthin führt, lernen sich die beiden sehr gut kennen und sympathisieren einander. Am darauffolgenden Tag essen sie gemeinsam zu Abend und beginnen eine Affäre, die nicht mehr als 48 Stunden existieren darf.

Die Brücken am Fluss macht kein Geheimnis aus seinem Ende, dessen Tragik bereits in den ersten Szenen angekündigt wird. Schließlich ist es ebenso für die Protagonistin klar, dass sie bei der Wiederankunft ihres Mannes und ihrer zwei Kinder in ihr mütterliches Leben zurückkehren muss. Aus diesem Grund funktioniert die Identifikation des Zuschauers mit dem Geschehen des Filmes auf empfindsame und ehrliche Weise. Dabei wird der persönliche Werdegang von Francisca durch die Brücke in Madison County symbolisiert, die verdeutlicht, dass die Affäre keine Wegabweichung ihres Lebens ist. Stattdessen betritt sie die andere Seite eines Flusses, den sie erst durch den Einfluss von Robert überquert. Die Ehe wird somit nicht als Schicksalsschlag vorgeführt, wie es in Liebesfilmen gerne zelebriert wird, sondern lediglich als eine Möglichkeit betrachtet. Wie verfälscht zudem die Liebe und die Ehe in unserer Gesellschaft bewertet wird, zeigt Eastwood durch die Umkehrung ihrer Vergänglichkeit: In dem filmisch-gesellschaftlichen Auge ist es die Liebe, von der Endlichkeit erzwungen wird, während man von der Ehe, als unabhängiges Glied zur Liebe, unendliche Dauer erwartet. Eine geradezu erschreckend ehrliche Reflexion unserer paradoxen, subjektiven und egoistischen Gesellschaft.

Das Maß an Emotionalität findet im Schluss der Geschichte seine gewaltige Höhe. Es ist vielleicht gerade dieses Gewicht an Tragik, woran er zum perfekten Liebesfilm scheitert. Im Vergleich zur vorläufigen, bodenständigen Inszenierung möchten im Finale zu viele Tränen durch leidende Zitate und Bilder erzwungen werden. Natürlich wird der Großteil, wenn nicht sogar jeder, auf diese leicht gekünstelten Mittel reinfallen, doch besitzt Die Brücken am Fluss trotzdem noch viel Ehrlichkeit und Herz, auch zum Ende hin. Eastwoods überragend-unterhaltsames und durchweg ansprechendes Liebesdrama ist schließlich ein wunderschönes Werk, das mitsamt intimen Musikkompositionen die Atmosphäre des isolierten Südstaatenlebens von Francesca zur Hochsommerzeit kontinuierlich auffängt. Sehr empfehlenswert!

Alle Bildrechte obliegen dem Verleih ©Warner Bros.