Ein wahres Verbrechen

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Clint Eastwood-Retrospektive #21

Clint Eastwood und die Todesstrafe. Da war doch etwas. In seinem 1999 erschienenen Film „Ein wahres Verbrechen“ (im Original: „True Crime“) thematisiert er diese. Um was genau es sich bei dieser Thematisierung handelt, besprechen wir jetzt.

In „Ein wahres Verbrechen“ ist ein Mann wegen Mordes zum Tode verurteilt. Clint Eastwood, in der Rolle als Journalist, kommen jedoch Zweifel an der Schuld des Mannes auf. Er beschließt, den Tathergang zu rekonstruieren. Seine Nachforschungen verhärten die Vermutung. Doch die Zeit des Verurteilten läuft ab, die Hinrichtung ist nur noch wenige Stunden hin. Die Zeit drängt.

„Ein wahres Verbrechen“ könnte so viel sein, ist jedoch so wenig. Anstatt einer interessanten und vielschichtigen Debatte über die Todesstrafe präsentiert zu bekommen, liefert Eastwood einen zwar wirklich spannenden, aber von der Essenz zu wenig ausgearbeiteten Thriller. Der Film ist dabei klassisch und nicht experimentell aufgebaut, erzählt eine Zeitspanne von gerade einmal 24 Stunden, dreht die Spannung mit zunehmender Dauer immer weiter auf und endet in einem hektischen Finale mit viel Action und wenig Inhalt.

Besonders schade ist; „True Crime“ hätte so viel mehr sein können! Die Gegebenheiten, sich argumentativ mit der Todesstrafe auseinander zu setzen waren schließlich allesamt vorhanden. Eastwood selbst allerdings scheint wenig daran interessiert, vielmehr nutzt er diese als Mittel des Spannungsaufbaus anstatt als eine Möglichkeit, dem Film besondere Tiefe zu schenken. Und so fällt das, was der Zuschauer aufgrund des bisherigen Handlungsverlaufs eigentlich erwartet – nämlich einen Kommentar seitens des Filmes zu diesem Thema – einfach weg, und die Lücke, die dadurch entsteht lässt den Film wirken, als wäre er nicht vollendet worden. Besonders interessant hätte so eine Auseinandersetzung zusätzlich werden können, da Eastwood selbst bekennender Befürworter der Todesstrafe ist. Seine Rolle scheint dazu auch keine Meinung zu haben. Eastwood verleiht ihr eine „Scheißegal“-Einstellung nach bester Dirty-Harry-Manier. Das nimmt dieser Figur auch leider jegliche Individualität, denn genau so wirkt sie: wie ein Abklatsch von Harry Calahan. Ansonsten kann „True Crime“ schauspielerisch ebenfalls wenig glänzen. James Woods brilliert in der Rolle des, nun ja, am besten lässt sie sich wohl einfach als „James Woods“ beschreiben – viel fluchend, viel beleidigend, viele schlechte Witze reißend. Eben ganz die typischen Figuren eines mittelmäßigen Thrillers.

„True Crime“ ist insofern ein seltsamer Film, da er alles, worauf er hinarbeitet, final einfach über den Haufen wirft und sich lieber darauf besinnt, ein platter Thriller zu sein. Hätte Eastwood beim Behandeln der Thematik mehr Konsequenz an den Tag gelegt, würde dieser Film dem Zuschauer deutlich länger und mir einer stärkeren Wirkung im Gedächtnis bleiben.