Thief – Der Einzelgänger

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James Caan in Michael Manns Thriller „Thief“, der zugleich auch das gerade einmal zweite Werk des Regisseurs darstellt. Wieviel der Film wohl kann?

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© OFDb Filmworks

Michael Mann hat eine ganz eigene Art, Filme zu machen. Sein 80er-Jahre Klassiker „Thief – Der Einzelgänger“, welcher zugleich auch sein gerade mal zweiter Spielfilm ist, zählt zu seinen sehr gelungenen Werken, was nicht einzig der auch in diesem frühen Mann-Film auftauchenden, für den Regisseur typischen exzellenten Komposition von Bild und Ton zuzuschreiben ist. Was „Thief“ zu bieten hat ist nicht wenig, aber der Reihe nach: Das interessanteste an diesem Werk sind wohl seine Charaktere, allen voran der von James Caan porträtierte Protagonist Frank. Frank kennt jede Menge Geschichten, besitzt zudem eine interessante, kriminelle Vergangenheit und ist vielseitiger als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Der Nachteil an dieser recht detaillierten Beleuchtung des Hauptcharakters sind die deutlich blasser wirkenden Nebenrollen. So besitzt sein Schwarm Jessie (Tuesday Weld) weder einer Geschichte noch einen anderen interessanten charakterlichen Anhaltspunkt, der das Interesse des Zuschauers zu erwecken weiß. Ähnlich verhält sich das Ganze bei seinem im Gefängnis sitzenden Mentor Okla (Willie Nelson), dessen Figur nicht über die üblichen Klischees hinaus gezeichnet wurde, ebenso wenig wie James Belushis Charakter Barry. Doch abseits der Charaktere bietet Mann, neben einer, wie man es eben von ihm kennt, hervorragenden Kameraführung eine klassische, einfach gestrickte Story über den letzten großen Coup und das Leben nach dem kriminellen Dasein. Das Tolle bei der Inszenierung der Geschichte ist der mitschwingende Realismus. So hält sich „Thief“ die ersten drei Viertel was das Zeigen von Gewalt und Brutalität angeht überraschend zurück, verwendet Actionsequenzen so gut wie gar nicht und legt den Fokus lieber auf den Aufbau der Story und den Protagonisten, und dreht erst im Finale sowohl den Härtegrad wie auch den Sound auf. Nun kommt die oben angesprochene Komposition aus Bild und Ton zum Vorschein, an Perfektionismus in diesem Genre kaum zu überbieten, und lässt „Thief“ ehrenvoll-episch ausklingen, wobei insbesondere die Musik dem Zuschauer noch längere Zeit in Kombination mit der letzten Kameraeinstellung im Gedächtnis hängen bleiben wird.

„Thief“ mag zwar eines der unbekanntesten und minimalistischsten Projekte von Michael Mann sein, doch qualitativ hinkt er hinter großen Filmen des Regisseurs wie „Heat“ oder „Collateral“ keinesfalls her. Im Gegenteil, stellenweise wird sogar deutlich, wie sehr einige Manns späterer Filme doch von „Thief“ beeinflusst wurden. thief-poster