Cobweb

von Sean Theumer

Jedes Jahr gibt es einen Horrorfilm, der irgendwie unter dem Radar in Deutschland läuft, obwohl er ein kleiner Geheimtipp ist. Gut, Geheimtipp ist bei Cobweb vielleicht etwas übertrieben, doch das was Barbarian im letzten Jahr war, könnte dieses Jahr auf Cobweb zutreffen. Und der deutsche Filmfan schaut mal wieder in die Röhre. In Amerika lieblos im Sommer inmitten des Barbenheimer-Spektakels veröffentlicht, in England zwar eine Premiere beim London Fright Fest, doch ein Kinostart bleibt aus und in Deutschland mal wieder keinerlei Info.

Wann ihr Cobweb also zu Gesicht bekommen könnt, insofern ihr keinen amerikanischen iTunes Account oder Zugriff auf andere VoD aus den Vereinigten Staaten habt, können wir leider nicht sagen. Geheimtipp ist hier auch etwas übertrieben, aber für ein Regiedebüt ist das hier unglaublich stilsicher und effizient inszeniert. Das Schönste, was ihm auch einen Platz in den diesjährigen Days of Fright beschert, ist, dass er um und an Halloween spielt und neben brennenden Kürbissen und Verkleidungen genug Szenen drinstecken, die das Herz höher schlagen lassen.

Die Geschichte ist dabei mitunter recht familiär. Ein kleiner Junge, gehänselt in der Schule, wird nachts von Albträumen geplagt und in seinem Zimmer terrorisiert. Genauer gesagt: Er hört eine Stimme die ihm sagt, dass seine Eltern böse sind. Wer jetzt denkt Cobweb sei mehr ein Thriller, der seinen Grusel überwiegend aus der Visualisierung der Albträume zieht, liegt damit nicht gänzlich falsch. Auch die Charaktere wirken dabei etwas zu formal. Aber ein feines Gespür für Terror und eine Kehrtwende in der letzten halben Stunde, die natürlich nicht verraten wird, sorgen dafür, dass Cobweb aus dem Einheitsbrei heraussticht.

Dabei wird genreüblich viel mit Schockeffekten gearbeitet. In letzter Zeit gab es kaum einen Horrorfilm der so effektiv seine Vielzahl an Scares inszeniert hat und trotzdem bei gut der Hälfte der Szenen die lauten Töne auslässt. Das Gespür für gruselige Bildkompositionen, knackiges Sound-Design und ein bockstarkes, wenn auch äußerst übertriebenes Finale, machen einfach Bock. Klar, auf die Suspension of Disbelief muss man sich einlassen, gerade im Finale. Auch, wenn man eine logische Erklärung sucht wird man allein gelassen.

Die braucht es aber auch nicht immer. Cobweb ist gruseliges Horrorkino für Erwachsene (tatsächlich wird es stellenweise sogar richtig deftig), bei dem nicht alle Ansätze erfolgreich aufgehen, aber an den Punkten kann Regisseur Samuel Bodin im nächsten Film arbeiten. Für ein Debüt ist das aber schon stark genug!

Empfehlenswert für Halloween weil: Natürlich ist das Setting an und um Halloween schon einladend genug, aber abseits davon wird es bei Cobweb auch richtig gruselig. Da ist für schreckhafte Angsthasen und Horrorfans mit Gespür für schaurige Bilder alles dabei. Das letzte Drittel nimmt dazu eine unvorhersehbare Wendung ein, die komplett eskaliert.

Die Bildrechte obliegen ©Lionsgate

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