Pale Rider – Der namenlose Reiter

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Clint Eastwood-Retrospektive #11

Nach zwei durchaus gelungenen Anläufen, den Western mit Eigenkreationen zu ehren, zeigt Regisseur Clint Eastwood mit seinem dritten Genrebeitrag Pale Rider – Der namenlose Reiter, dass mit der Zeit auch die Übung kommt. Von der Einfachheit des Plots sollte man jedoch nicht getäuscht werden: Geradlinig wird die Geschichte einer unterdrückten Gemeinschaft erzählt, die in ihrer Friedlichkeit von wilden Gräueltaten gestört werden. Als ein namenloser Priester, gespielt von Clint Eastwood, auf das nach Hilfe fragende Dorf stößt, scheint er als leibhaftiger Beschützer und Rächer einzig und allein für Rechtschaffenheit sorgen zu können.

Wie wir bereits in unserem Text zu Der Texaner erwähnten, kann ein Western nicht mehr Standards als Storygerüst verwenden, um durchweg zu punkten. Bekanntlich jedoch bestätigt die Ausnahme die Regel – und Eastwoods Pale Rider reiht sich wunderbar zu den durchweg funktionierenden Filmen mit simplem Plot ein. Der Unterschied zu manch anderen Western ist, dass er sich weder nach Klischees orientiert, noch sie gewollt und erzwungen umgeht. Stattdessen betritt er voller Zielbewusstsein seinen ganz und gar eigenen Weg, der mit stilvollem Charakter sehenswert inszeniert worden ist.

Neben der Umsetzung kann sogar das Drehbuch mit einzelnen Subthemen positiv überraschen. Am denkwürdigsten ist dabei die ökologische Note des Filmes, die unmittelbar mit seiner wirtschaftskritischen Seite zusammenhängt; Zu sehen sind bewusste Umweltzerstörungen zur Errichtung neuer Pipelines. Ohne Kompromiss wird das einst unbefleckte Amerika bis zur Unerkennbarkeit abgetragen und wird von einer selbstlosen Spur aus Gier geprägt. Diese Mittel dienen als zündende Reize für den Antrieb der Geschichte, welche sich sogar als logische Einwirkungen für die Hinführung zum Finale zeigen. Dort, wie es so oft üblich ist, finden alle Pfade des Filmes ihren gemeinsamen Zielpunkt. Dass dies keineswegs abgenutzt erscheinen muss, ist hier als zweifelloser Beweis zu sehen.

Von der Einfachheit des Westerns Pale Rider sollte man eher beeindruckt als enttäuscht sein, da sie zu keinem Zeitpunkt wie eine bloße Kopie wirkt. Eher entsteht der Eindruck, der klassische Western wolle wiederbelebt werden. Doch auch wenn er im Nachklang keine neue Welle an Western erzeugte, was seinen Filmtitel sogar jenseits seiner Bedeutung zur Handlung erklären würde, schafft er wenigsten über seine 116-minütige Laufzeit das wohle Gefühl, einen Vertreter seines Genres mit Herz und Seele zu sehen.

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