Rookie – Der Anfänger

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Clint Eastwood-Retrospektive #15

Momentan ist Rookie – Der Anfänger noch mit einer FSK18 Fassung indiziert. Bei einer Neuprüfung sollte er jedoch problemlos eine Altersfreigabe ab 16 bekommen. Die späten 80er/frühen 90er lassen in Rookie – Der Anfänger schön grüßen. Sichtlich inspiriert von den Buddymovies dieser Zeit inszeniert Clint Eastwood einen vor Männlichkeit nur so strotzenden Selbstjustiz-Actionfilm, der direkt am Anfang mit einer Verfolgungsjagd temporeich starten darf. Michael Bay hat sich hier sicherlich für seine Bad Boys 2 Verfolgungsjagd inspiriert und doch ist das Abfeuern mehrerer Autos von einem LKW ein recht kinetisches Vergnügen. Danach folgt jedoch erst mal eine ganze Weile gar nichts. Eastwood ist sehr interessiert daran Charlie Sheen als gebrochenen Charakter zu inszenieren, während er selbst den harten Cop auf Sparflamme spielt.

Rookie - Der Anfänger

Diese Charakterdarstellung des Rookies geht er jedoch, ähnlich wie bei Firefox, nur mit Flashbacks an, die sich um den Tod seines Bruders drehen. Abgesehen von diesen Rückblenden fällt die Thematisierung eher flacher ab und findet ausschließlich bei den Gesprächen zwischen ihm und seiner Frau statt. Nach kleineren Anlaufschwierigkeiten in der ersten Hälfte bolzt Rookie – Der Anfänger dann jedoch mit Vollkaracho los und sorgt dafür, dass sich Feministinnen des 21. Jahrhunderts für eine Filmverbrennung einsetzen würden. Der harte Cop wird von einer weiblichen Killerin vergewaltigt, was gleichzeitig urkomisch und sehr befremdlich ist, auf Worte werden frische Sätze wie “Wenn sie eine Garantie wollen, dann kaufen sie sich doch einen Toaster” geantwortet und Charlie Sheen mutiert plötzlich zu einer unaufhaltsamen Killermaschine und mäht einen gesamten Club um.

Von seinen Inspirationen wie “Lethal Weapon” oder “Nur 48 Stunden” grenzt sich Rookie – Der Anfänger jedoch durch seine Ernsthaftigkeit ab. Sicher sorgt die Chemie zwischen Eastwood und Sheen für einige Lacher, doch in erster Hinsicht handelt es sich immer noch um Selbstjustiz. Die Tot des Partners soll gerächt werden und das wird er auch mit grafischen Kopfschüssen bei jedem Geschlecht und Gewaltinszenierung ohne comichafte Übertreibung. Das Tempo wird in der letzten halben Stunde noch einmal ordentlich angezogen und so bleibt ein relativ zufriedenstellender Endeindruck, wenn man sich mit dem puren Maskulinismus zufriedenstellen kann. Denn das Mann-Bild ist hier so dermaßen kernig, dass man hinterher erstmal ein Glas Jive trinken muss um wieder in die normalen Sphären der Geschlechterrolle zu kommen. Zu schade nur, dass Clint Eastwood es immer noch nicht schafft, seine Filme kompakter zu inszenieren.

Rookie - Der Anfänger DVD