Nachdem der Trailer von Other Mommy viral ging, haben sich sicher viele von euch auf puren Terror eingestellt, ausgelöst durch die Szene in der Küche, die gefühlt die Hälfte des Trailers geschmückt hat. Interviewaussagen von Rob Savage, man habe um die 50 Jumpscares im Film, befeuerten das zudem und der Start in Deutschland um Halloween wirkten für perfekte Indizien einer richtig spannenden Zeit im Kino. Jetzt kommt die bittere Enttäuschung, denn Other Mommy ist im wahrsten Sinne Quatsch.
Dabei hat sich Rob Savage mit Host und Dashcam als Regisseur etabliert, der aus kleinen Mitteln maximale Nervosität herausholt, und mit The Boogeyman gezeigt, dass er auch im Studiokontext Atmosphäre aufbauen kann. Davon ist hier erstaunlich wenig übrig. Was daraus entsteht, ist Fast Food Horror, der sich quer durch die Genremotive arbeitet und sich dabei selbst für Geisterjäger nicht zu schade ist. Alles darf mal kurz vorbeischauen, nichts darf bleiben, und so fühlt sich der Film eher wie ein Best-of des Genres an als wie eine eigene Geschichte.
Das größte Problem ist das Pacing, denn Other Mommy erlaubt sich keinen einzigen Stopp. Spannung braucht aber Luft, und die bekommt hier niemand. Schockmomente verpuffen in der Bedeutungslosigkeit ihrer Frequenz, mitunter kommen drei hintereinander in einer einzigen Minute. Wer so oft erschreckt, erschreckt irgendwann niemanden mehr, sondern ermüdet vor allem. Die Küchenszene aus dem Trailer, die im Film die ersten zehn Minuten schmückt, ist dafür das beste Beispiel: Sie funktioniert, weil sie Platz hat und Erwartungen aufbaut, und genau dieses Gespür fehlt dem Rest des Films.
Dazu kommt, dass Other Mommy leider nur den altbekannten Trope bedient, eine Monstermanifestation aufgrund einer dysfunktionalen Familie. Das ist weder neu noch besonders clever umgesetzt, und die Metapher bleibt so oberflächlich, dass sie eher als Alibi für die nächste Spukszene dient als für eine echte Auseinandersetzung mit den Figuren. Wer sich nach Filmen wie Babadook oder Hereditary mehr emotionale Fallhöhe erhofft, schaut hier in die Röhre. Hinter dem Familiendrama steckt keine Idee, nur ein Vorwand.

Leicht goutierbar ist das Ganze natürlich, wenn man sich auf kompletten Quatsch einstellt, und hier hilft vor allem Jessica Chastain. Sie ist wunderbar auf den übertriebenen Stil des Films eingestimmt und spielt genau so groß, wie das Material es verlangt, ohne je den Eindruck zu erwecken, sich dafür zu schade zu sein. Das macht Spaß und zeigt, was möglich gewesen wäre, wenn Savage seinem Stoff mehr Ruhe und weniger Reizüberflutung zugetraut hätte. Wer den Film als lautes, hektisches Genre-Karussell nimmt, steigt nach 93 Minuten ohne schlechtes Gewissen wieder aus und wurde sicher nicht schlecht unterhalten. Aber auch das ist eher Glück im Detail als Verdienst des Ganzen.
Für alle, die den Trailer gut fanden, ist Other Mommy daher eine riesige Enttäuschung, denn der Film hält nicht, was das Marketing verspricht. Die Hälfte der Szenen daraus hat es übrigens nicht einmal in den Film geschafft. Schade, denn aus dem Material hätte vermutlich ein deutlich besserer Horrorfilm werden können. Bleibt zu hoffen, dass Savage sich beim nächsten Mal wieder auf seine Stärken besinnt und Hollywood einsieht, dass es keinen zweiten Obsession in diesem Jahr geben kann, auch wenn man es so penetrant im Marketing versucht.


Die Bildrechte obliegen ©Universal Pictures Germany
