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Santas Slay

von Sean Theumer

An manchen Tagen verlangen die Frights schlichtweg nach exzessivem B-Movie-Ulk, der sich keine Sekunde lang selbst ernst nimmt. David Steimanns Santas Slay (im deutschsprachigen Raum treffend als Blutige Weihnachten bekannt) aus dem Jahr 2005 gehört zu den absoluten Höhepunkten des krawalligen Weihnachts-Horrors. Wer sich auf diesen herrlich bescheuerten Feiertags-Slasher einlässt, erwartet weder tiefschürfende Moralerzählungen noch sublimen Psychogrusel, sondern bekommt ein hochexplosives, überdrehtes Schlachtfest serviert, das den heiligen Abend mit Anlauf und fliegenden Fäusten in Schutt und Asche legt.

Die Mythologie, die der Film seiner mordlüsternen Hauptfigur andichtet, strotzt vor hanebüchener Genie-Ströme: Der Weihnachtsmann ist in Wahrheit kein herzensguter Gabenbringer, sondern der soziopathische Sohn Satans. Vor tausend Jahren verlor der böse Ur-Klaus eine Wette gegen einen Engel und wurde dazu verdonnert, ein Jahrtausend lang als barmherziger Geschenkeverteiler den braven Kindern Freude zu bereiten. Im Jahr 2005 läuft die verhasste Frist jedoch offiziell ab – und der rote Hüne nutzt die neugewonnene Freiheit für einen hemmungslosen, blutrünstigen Rachefeldzug durch das idyllische Städtchen Hell. Fortan wird nicht mehr brav beschenkt, sondern mit tödlicher Präzision abserviert. Jede Szene feiert diese bizarre Prämisse mit offenem Visier.

Das uneingeschränkte Herzstück dieses Spektakels ist die Besetzung der Titelrolle: Ex-Pro-Wrestler Bill Goldberg verkörpert den mordenden Santa mit einer solch brachialen Physis, irre blitzenden Augen und unvergleichlicher Zerstörungswut, dass jede Szene mit ihm ein wahrer Festtag ist. Wenn Goldberg im martialischen Kostüm auf einem von einer teuflischen Bison-Bestie gezogenen Schlitten durch die verschneite Landschaft brettert oder mit trockenem Zynismus makabre Sprüche klopft, erreicht Santas Slay absolute B-Movie-Erschütterung. Schon die legendäre Eröffnungssequenz – ein absurder Promi-Gastauftritt am Esstisch mit James Caan, Fran Drescher und Rebecca Gayheart, der in einer völlig enthemmten Schlachtplatte mündet – setzt den tonalen Rahmen unverblümt fest. Die unerbittliche Entschlossenheit, mit der der Hauptdarsteller hier zu Werke geht, peitscht den gesamten Film nach vorne.

Regisseur David Steimann inszeniert das Geschehen mit einer erfrischenden, schnörkellosen Spielfreude. Die Morde sind kreativ, herrlich makaber choreografiert und vollgepackt mit praktischen Effekten und überdrehten Ideen. Ob mörderische Christbaumkugeln, tödliche Eiszapfen oder der physische Einsatz von brennendem Hochprozentigem: Santas Slay nutzt das weihnachtliche Repertoire vollends aus, um Genrefans mit süßem Splatter-Konfekt zu versorgen. Der Humor bewegt sich durchweg auf tiefschwarzem, zynischem Terrain, ohne je in peinliche Langeweile abzudriften. Das Zusammenspiel aus Absurdität und Härte sitzt von der ersten bis zur letzten Minute exzellent.

Natürlich lässt sich der B-Movie-Charakter des Werks nicht wegdiskutieren. Die Teenager-Hauptfiguren rund um Nicolas Wright und Emilie de Ravin agieren nach altbekannten Slasher-Mustern, das Drehbuch ist ein Sammelsurium aus Klischees, und im Mittelteil schleicht sich gelegentlich ein kleiner Leerlauf ein, bis Santa wieder zum nächsten Schlag ausholt. Doch wer diesen Kritikpunkten die schiere Energie, Goldbergs unnachahmliche Präsenz und den unverschämten Spaßfaktor entgegenhält, sieht mühelos über kleine dramaturgische Schwächen hinweg. Die unverkrampfte Haltung rettet jede zähe Minute. Santas Slay ist die ultimative feiertägliche Krawall-Granate – ein bissiger, extrem unterhaltsamer Funsplatter voll schwarzem Humor, physischer Wucht und herrlichem Feiertags-Zynismus, der auch nach Jahren nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat.

Die Bildrechte obliegen ©3L Vertriebs GmbH & Co. KG

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