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Wild Horse Nine

von Sean Theumer

Mit Wild Horse Nine bekräftigt Martin McDonagh seinen Rang als einer der schärfsten und kompromisslosesten Drehbuchautoren unserer Zeit, und das mit einer Selbstverständlichkeit, die atemlos macht. Der Film schöpft aus dem Fundus seiner bisherigen Meisterwerke: die markanten Motive, die skurrilen Figurenkonstellationen, die charakterlichen Abgründe. Er presst sie durch einen absurden Filter und destilliert daraus eine bittersüße, tief melancholische Farce über zwei CIA-Agenten, die auf den weltabgewandten Osterinseln in eine existenzielle Krise taumeln. Wo McDonaghs unverwechselbare Handschrift auf die stummen, rätselhaften Steinkolosse im Pazifik trifft, entsteht eine Atmosphäre von eigenartiger Weite, die einen von der ersten Sekunde an unerbittlich in ihren Bann zieht.

Im Zentrum stehen zwei grundverschiedene, reichlich abgehalfterte Geheimdienstler, ans Ende der Welt geschickt, um einer ebenso absurden wie scheinbar sinnlosen Spur zu folgen. Ihre Dialoge sind giftiger, treffsicherer und schwärzer im Humor als je zuvor: Jede Zeile sitzt wie ein präziser Kinnhaken, getragen von einer rhythmischen Eleganz, die im heutigen Kino selten geworden ist. In den verbissenen Wortgefechten blitzen schon bald die menschlichen Tragödien hinter der Fassade des harten Dienstes auf, und der Film entwickelt eine fast körperlich spürbare Sogwirkung.

Getragen wird das alles von Sam Rockwell und John Malkovich, die als abgehalfterte Agenten ein Duo abgeben, wie man es sich für McDonaghs Texte nicht besser wünschen könnte. Rockwell ist nach Seven Psychopaths und Three Billboards ohnehin ein alter Bekannter des Regisseurs und trifft den Ton zwischen Verzweiflung und Wahnsinn mit traumwandlerischer Sicherheit. Die eigentliche Sensation ist aber Malkovich, der hier gleichzeitig komisch, tragisch und zutiefst menschlich ist und dabei so gut wie nie zuvor. Wer ihn in den letzten Jahren nur noch als Gast in Nebenrollen abgehakt hatte, bekommt hier die Erinnerung, was dieser Mann kann. Zwei Darsteller, die sich jede Pointe zuspielen, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Wild Horse Nine Szene

Dabei kippt der Film trotz aller Scharfzüngigkeit nie in bloßen Klamauk. Vor der eindrucksvollen Kulisse der windgepeitschten Insel entfaltet sich vielmehr ein tiefgründiger, universeller Diskurs über das Leben, das Altern, das Vergehen und das unausweichliche Sterben, und genau das macht aus dem Film ein Meisterwerk des Kinojahres. In McDonaghs Gesamtwerk reiht sich Wild Horse Nine allein hinter dem unantastbaren Brügge sehen… und sterben? ein, dessen emotionale Tiefe und erzählerische Raffinesse er auf bemerkenswerte Weise fortschreibt.

Im letzten Drittel, kurz vor dem Ende, nimmt der Film bei knapp 117 Minuten Laufzeit merklich das Tempo heraus und gönnt sich eine Phase der Entschleunigung, die etwas zu lang ausfällt. Dieses Warten zahlt sich jedoch mehr als aus, denn der stille Moment ist nur der Anlauf für ein wuchtiges, emotional verheerendes Finale, das einem unweigerlich einen schmerzhaften Kloß in den Hals treibt. Auflösung und Schlusseinstellungen sind von einer derart makellosen Perfektion, dass man ihnen unmöglich unberührt begegnen kann. Man sitzt tief gerührt, mit feuchten Augen und voller Bewunderung im aufkommenden Abspann, während die Melancholie des Films noch lange nach dem Verlassen des Saals nachhallt.

Die Bildrechte obliegen ©20th Century Fox

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