Home 31 Days of FrightWinnie the Pooh: Blood and Honey 2

Winnie the Pooh: Blood and Honey 2

von Sean Theumer

Wer sich an den katastrophalen, geradezu bodenlosen ersten Teil von Rhys Frake-Waterfields Low-Budget-Horror-Experiment erinnert, blickte der Fortsetzung vermutlich mit einer gesunden Portion Schrecken und tiefem Misstrauen entgegen. Doch manchmal geschehen noch echte Wunder: Winnie-the-Pooh: Blood and Honey 2 ist in absolut allen nur erdenklichen Belangen ein so massiver, fast schon schockierender Quantensprung nach vorne, dass man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt. Während der Vorgänger eine unerträgliche, laienhaft zusammengebastelte Beleidigung für jedes gängige Filmformat darstellte, entpuppt sich dieses Sequel als überraschend kompetenter, hämisch brutaler und visuell erstaunlich ambitionierter Slasher, der dem absurden Konzept endlich die filmische Würde verleiht, die es von Beginn an verdient hätte.

Die Handlung setzt nach den traumatischen Ereignissen im Hundertmorgenwald an, der nun kein geheimnisvoller Rückzugsort mehr ist, sondern ein blutiges Terrain, das von den monströsen Kreaturen dominiert wird. Winnie Puuh, Tigger, Ferkel und Eule haben sich endgültig aus den Fesseln ihrer Kindheitsidylle befreit und ziehen einen erbarmungslosen Rachefeldzug durch die nahegelegene Kleinstadt Ashdown. Christopher Robin kämpft derweil mit den Trümmern seiner Glaubwürdigkeit, denn niemand in der spießigen Nachbarschaft glaubt ihm die Existenz mordender Stofftier-Mutanten. Der Film nimmt sich erstaunlicherweise die nötige Zeit, um eine rudimentäre, aber überraschend gut funktionierende emotionale Basis aufzubauen, statt den Zuschauer sofort von einer schlecht ausgeleuchteten Szene in die nächste zu prügeln.

Der mit Abstand größte und sofort augenfälligste Gewinn liegt im spürbar aufgestockten Budget, das Regisseur Rhys Frake-Waterfield und sein Team hier mit sichtbarem Stolz auf die Leinwand bannen. Wo Teil eins aussah wie ein überlanger, hoffnungslos überforderter YouTube-Fanfilm, glänzt die Fortsetzung plötzlich mit einer professionellen, oft geradezu schick ausgeleuchteten Ästhetik. Die Kameraarbeit fängt die nebelverhangenen Wälder und die düstere Nachtatmosphäre mit einem echten Gespür für stimmungsvolle Genretiefe ein. Man merkt in jeder einzelnen Einstellung, dass hier jemand am Werk war, der aus den peinlichen Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und beweisen wollte, dass er sehr wohl in der Lage ist, echtes Horror-Kino zu produzieren. Jede visuelle Komposition sitzt überraschend präzise und treibt die düstere Stimmung stetig an, während das Sounddesign die akustische Bedrohung perfekt untermauert und jede Schrecksekunde direkt in den Magen transportiert.

Auch auf handwerklicher und blutiger Ebene lässt sich das Sequel nicht lumpen und zieht sämtliche Register des kompromisslosen Splatters. Die Kreaturenmasken wurden runderneuert und sehen nun nicht mehr nach billigem Partybedarf aus, sondern besitzen eine schmutzige, unheimliche Physis, die echten Schrecken verbreitet. Wenn Tigger mit seiner reißerischen Energie oder ein wütender Winnie Puuh über ihre Opfer herfallen, wird nicht mit handgemachten Gore-Effekten gespart. Hier wird geköpft, zerrissen, gepfählt und zerquetscht, dass es für Splatter-Fans eine wahre Freude ist. Die Kills sind abwechslungsreich choreografiert, brutal inszeniert und transportieren eine physische Wucht, die man in dieser kompromisslosen Konsequenz niemals erwartet hätte. Jedes Detail der Maskenarbeit glänzt vor handgemachter Hingabe, die das B-Movie-Herz höher schlagen lässt und den Trash-Faktor in eine charmante Richtung lenkt.

Natürlich bleibt das Fundament trotz aller kreativen Bemühungen ein durchgeknalltes B-Movie-Gimmick. Das Drehbuch stolpert phasenweise über seine eigenen Ambitionen, und manche Dialoge der menschlichen Nebenfiguren bewegen sich weiterhin auf einem eher überschaubaren Niveau. Der Versuch, eine tiefere Mythologie um Christopher Robins Vergangenheit zu spinnen, wirkt bisweilen etwas bemüht und dehnt das Tempo im Mittelteil ein wenig aus. Doch all diese kleinen erzählerischen Unebenheiten verblassen im Angesicht der schieren Energie, mit der sich der Film über jegliche guten Sitten hinwegsetzt und seine blutige Sause zelebriert. Winnie-the-Pooh: Blood and Honey 2 ist die absolute Antithese zum Vorgänger – ein überraschend effektiver, blutiger und handwerklich stark verbesserter Slasher-Spaß, der das schräge Konzept endlich mit echtem Leben füllt. Überzeugt euch auf Amazon Prime selbst davon!

Die Bildrechte obliegen ©Plaion Pictures

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