Home FilmeAbenteuerfilmThe End of Oak Street

The End of Oak Street

von Sean Theumer

Es gibt sie noch, diese Momente im Blockbusterkino, in denen man nach wenigen Minuten merkt, dass hier nicht das nächste durchkalkulierte Franchise-Produkt läuft. The End of Oak Street ist so ein Fall und war zu Recht die große Überraschung des Kinosommers. David Robert Mitchell hat sich mit It Follows und dem subversiven Neo-Noir-Puzzle Under the Silver Lake einen Namen gemacht und beweist hier, dass er von allen Regisseuren heute offenbar der Einzige ist, der verstanden hat, wie das haptische 80er-Jahre-Blockbusterkino im Stile Spielbergs funktioniert hat.

Während die Jurassic World-Reihe das Dino-Genre längst in ein überladenes CGI-Spektakel aus sterilen Effekten und Dauerlärm verwandelt hat, wischt The End of Oak Street mit den modernen Saurier-Epen mühelos den Boden auf. Mitchell inszeniert kein Effektgewitter, sondern ein Science-Fiction-Abenteuer, das seinen Familienkern nie aus den Augen verliert. Im Mittelpunkt steht eine verschworene Nachbarschaft in einer ganz normalen Vorstadtstraße, deren Alltag aus den Fugen gerät, als durch Zeit- und Raumrisse prähistorische Giganten in die Gegenwart stolpern. Dass man mit den Figuren mitfiebert, liegt vor allem an den Darstellern, die ihre Sorgen und Bindungen spürbar ernst nehmen, und an einer kindlichen Begeisterung für das Unbekannte, die man im heutigen Blockbusterkino schmerzlich vermisst.

Wer jetzt ein zahmes Wohlfühl-Abenteuer erwartet, irrt allerdings. The End of Oak Street geizt nicht mit Gewalt und dreht nicht weg, wenn die Urzeitkreaturen zuschlagen. Die ständige Bedrohung gibt dem Film Bodenhaftung, verhindert jede Vorhersehbarkeit und sorgt dafür, dass die Konsequenzen der Angriffe tatsächlich wehtun.

The End of Oak Street Szene

Den Höhepunkt bilden zwei Einzelszenen, eine mit einem T-Rex und eine mit einer Titanboa, die im Kinosaal für kollektives Staunen gesorgt haben. Beide sind für sich genommen kleine Meisterstücke der Spannung und leben davon, dass Mitchell sich Zeit nimmt, Bedrohung aufbaut und den Menschen mittendrin keine Verschnaufpause gönnt. Die Mischung aus praktischen Effekten und digitaler Wucht ist so gut austariert, dass man den Übergang kaum bemerkt und insbesondere bei der Titanboa regelrecht in den Sessel gedrückt wird.

Dazu kommt eine Laufzeit von gerade einmal 100 Minuten, und das in einer Zeit, in der Blockbuster an drei Stunden Leerlauf ersticken. Mitchell erzählt straff, ohne unnötige Nebenstränge und ohne Durchhänger. Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass man sich auf das plötzliche Ende einlassen muss. Es kommt abrupt, ist aber herrlich böse, und wer sich darauf einlässt, wird dafür belohnt. Und wer Split Diopter Shots hasst wird vor Wut rotieren, aber wer liebt sie nicht? Geschenkt also.

Unterm Strich ist The End of Oak Street eine Liebeserklärung an das klassische Abenteuerkino und der Beweis, dass echtes Erzählhandwerk im Genrekino noch existiert. Bleibt zu hoffen, dass Hollywood daraus lernt und Mitchell beim nächsten Mal wieder so viel Freiraum bekommt, auch wenn der Film symptomatisch natürlich gefloppt ist, während Der Teufel trägt Prada 2 knapp 700 Millionen Dollar eingespielt hat.

The End of Oak Street Poster

Die Bildrechte obliegen ©Warner Bros. Home Entertainment

Related Articles

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.