Es gibt Filme, die wandeln so zielsicher auf dem schmalen Grat zwischen genialer Provokation und absolutem filmischen Dilettanten-Stil, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als fasziniert und zugleich völlig fassungslos hinzusehen. Mark Pirros Curse of the Queerwolf aus dem Jahr 1988 ist ein solches einzigartiges und kaum fassbares Werk des amerikanischen Independent-Kinos. Ein Mann wird von einer Trans*person gebissen und hat das Gefühl sich langsam zu verwandeln.
Wer den Film heutzutage ausgräbt, wird unweigerlich feststellen, dass er aufgrund seiner holprigen, teils anarchischen und extrem unkonventionellen Auseinandersetzung mit den sensiblen Themen Queerness und Homosexualität im modernen gesellschaftlichen Diskurs mit absoluter Sicherheit hitzige Debatten auslösen wird. Doch wer sich von der billigen Optik, dem winzigen Budget und dem rohen Indie-Charme nicht abschrecken lässt, entdeckt hier eine komplett entfesselte, völlig schamlose Bad-Taste-Komödie, die vor allem eins ist: verdammt witzig.
Regisseur Pirro pfeift gänzlich auf politische Korrektheit und schickt seine Figuren durch eine hanebüchene Tour de Force, die vor absurden Einfällen, skurrilen Charakteren und geschmacklosen Gags nur so strotzt. Besonders die kreativen Spoofs bekannter Meilensteine des klassischen Hollywood-Kinos sind ein echtes, wenn auch extrem gewöhnungsbedürftiges Highlight. Wenn der Film beispielsweise berüchtigte Szenen aus Werken wie Deliverance durch den Kakao zieht und auf eine so trashige wie humoreske Art parodiert, schrammt das oft haarscharf an der absoluten Schmerzgrenze vorbei, zündet dank des hohen Erzähltempos und der kompromisslosen Darsteller aber überraschend oft. Gekrönt wird das Ganze von einer absolut wilden, visuell eigenwilligen Transformationsszene.
Natürlich stellt sich beim Schauen unweigerlich die große Frage nach der geschmacklichen Fallhöhe. Darf man es absolut bedenklich finden, wenn die Protagonisten und Jäger mit glänzenden Silberdildos bewaffnet in den Kampf gegen das “Böse” ziehen? Mit absoluter Sicherheit! Das ist billig, absolut geschmacklos und schreit nach maximalem Fremdschämen. Doch kann man sich in der rasanten, unbarmherzigen Abfolge von Geschmacklosigkeiten am Ende dennoch schallend totlachen? Definitiv. Der Film nimmt sich zu keiner Sekunde ernst und genau das rettet ihn vor der bedeutungslosen Langeweile. Nebenbei bietet der Streifen eine so exzessive Aneinanderreihung von schrägen Momenten, dass man sich einfach auf diesen fiebrigen Humor einlassen muss. Wer über die handwerklichen Unzulänglichkeiten, die extremen Klischees und die derbe Ausrichtung hinwegsehen kann, bekommt hier einen unkonventionellen Kult-Heuler geboten. Ein wilder Ritt durch die Tiefen des Trashs.
Empfehlenswert für Halloween weil: Jeder der mal etwas völlig absurdes erleben will, ist mit dieser absolut unkonventionellen, schamlos albernen Horrorkomödie gut bedient, die garantiert für Gesprächsstoff und reichlich schräge Lachanfälle sorgt.


Die Bildrechte obliegen ©Pirromount Production
