Es gibt Filme, die sind so unverkennbar trashig, dass sie auf magische Art und Weise die Schwelle zum puren, ungetrübten Genuss überschreiten. Uwe Bolls legendärer House of the Dead aus dem Jahr 2003 ist das unbestrittene Kronjuwel in dieser fragwürdigen Disziplin. Wer diesen Film mit der falschen Erwartungshaltung einschaltet – etwa der Hoffnung auf eine auch nur halbwegs treue Videospieladaption oder auf gehobene filmische Handwerkskunst –, wird vermutlich schreiend das Weite suchen. Doch wer das Werk als das begreift, was es im Kern ist: ein absolut entfesseltes, kompromissloses Guilty Pleasure für einen feuchtfröhlichen Abend unter Freunden, der erlebt hier eine wahre Offenbarung. Schnappt euch eine Kiste kaltes Bier, eine große Schüssel Chips und lasst euch auf diesen unvergleichlichen filmischen Fiebertraum ein.
Dass die gleichnamige Arcade-Vorlage von Sega im Grunde komplett ignoriert und lediglich als extrem dünner Vorwand für ein sinnbefreites Gemetzel genutzt wird, gehört längst zum legendären Ruf des Films. Eine Gruppe feierwütiger Jugendlicher reist zu einer ominösen Rave-Party auf einer scheinbar einsamen Insel, die natürlich von Horden hungriger Untoter bevölkert wird. Was nun folgt, ist ein Fest des puren Dilettantismus, das in den ersten dreißig Minuten fast körperlich schmerzt. Das Editing wirkt, als hätte jemand die Filmrolle durch einen industriellen Fleischwolf gedreht, die Dialoge klingen wie aus einem drittklassigen Drehbuch und das Schauspiel bewegt sich irgendwo zwischen engagierter Laienspielgruppe und beleidigter Schaufensterpuppe. Wenn Figuren mitten in der Szene völlig unvermittelt in einen wirren Inszenierungsstil verfallen oder Zeitsprünge ohne jede Logik gesetzt werden, weiß der erfahrene Trash-Fan sofort: Hier regiert der pure, ungefilterte Wahnsinn.

Doch der eigentliche Zauber dieses B-Movie-Monuments entfaltet sich dann exakt nach einer halben Stunde. Denn das, was Uwe Boll an echtem Regiegespür und filmischer Finesse komplett missen lässt, bügelt der Film ab diesem Zeitpunkt mit einer derartig brachialen, nicht enden wollenden Materialschlacht wieder aus, dass man vor dem Fernseher nur noch fassungslos und glücklich jubeln kann. Plötzlich bricht ein schier endloser Shootout los, der absolut jede konventionelle Genre-Regel sprengt. Wenn die Protagonisten auf einmal aus dem Nichts unendliche Mengen an Schusswaffen ziehen und sich mit den anstürmenden Zombie-Massen ein wildes Gefecht liefern, gibt es kein Halten mehr.
Gekrönt wird das Ganze von dem absolut irren, fast schon größenwahnsinnigen Einsatz permanenter 360-Grad-Slowmotion-Kamerafahrten, die Boll offensichtlich völlig verliebt in einer schier endlosen Dauerschleife abfeuert. Jeder einzelne Schritt, jede hinfliegende Patronenhülse und jedes zerfetzte Körperteil wird zelebriert, während im Hintergrund unbeeindruckt der treibende Synth-Rock dröhnt. Es ist handwerklich absolut katastrophal, aber auf einer so hypnotischen, unfreiwillig komischen Ebene inszeniert, dass der pure Unterhaltungsfaktor komplett durch die Decke geht. House of the Dead ist gewiss kein guter Film im klassischen Sinne. Er ist ein monumentaler filmischer Autounfall, bei dem man einfach nicht weggucken kann. Wer bei diesem exzessiven Trash-Gewitter keine gute Zeit hat, ist am Ende wirklich selber Schuld!
Empfehlenswert für Halloween weil: Es viel zu viele ernste Horrorfilme gibt, als dass man solche Trashperlen unerwähnt lassen sollte. Mir machts jedes Mal wieder richtig Bock!


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