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Van Helsing

von Sean Theumer

An manchen Tagen verlangt der Cineast nicht nach subtiler Psychologie oder verkopften Arthouse-Elegien, sondern nach einer hemmungslosen, atemlosen Achterbahnfahrt durch die sprichwörtliche Schatzkammer des klassischen Schreckenskinos. Stephen Sommers’ Van Helsing aus dem Jahr 2004 bleibt das unbestrittene, unverschämt unterhaltsame Monument dieser Disziplin. Wer sich mit offenem Visier auf diesen bombastischen Kracher einlässt, erlebt keine vorsichtige Hommage, sondern ein absolut entfesseltes, bildgewaltiges Blockbuster-Spektakel, das die Ikonen des Universal-Monstermythos in eine ununterbrochene, hochenergetische Kaskade aus Action, stilvoller Gothic-Atmosphäre und purem Vergnügen wirft.

Hugh Jackman verkörpert den titelgebenden Monsterjäger im Auftrag einer geheimen vatikanischen Organisation mit genau der richtigen Mischung aus stoischer Lässigkeit, rauer Präsenz und verwegener Helden-Eleganz. Als er zusammen mit seinem erfinderischen Mönch-Gefährten Carl nach Transsilvanien entsandt wird, um der geheimnisvollen Blutlinie von Anna Valerious beizustehen, entfaltet Sommers ein opulentes Spektakel, das in Sachen Schauwerte keine Gefangenen macht. Graf Dracula, der Wolfsmensch und Frankensteins Monster werden hier nicht nacheinander abgehakt, sondern in ein dichtes, wüstes Geflecht gewoben, das im Minutentakt spektakuläre Setpieces abfeuert und das Publikum schlichtweg überrollt. Die Dynamik zwischen den Figuren greift ungemein geschmeidig ineinander und hält den Motor am Laufen.

Was Van Helsing auch heute noch so verdammt unterhaltsam macht, ist Sommers’ unerschütterlicher Mut zum visuellen und tonalen Exzess. Die Kamera gleitet dynamisch durch schneebedeckte Schlösser, brennende Windmühlen und riesige, blitzumzuckte Laboratorien. Das Produktionsdesign strotzt vor Liebe zum Detail und verleiht der europäischen Gothic-Kulisse eine schwelgerische, fast schon opernhafte Märchenhaftigkeit. Unterstützt wird dieser visuelle Rausch von Alan Silvestris gigantischem, hochdramatischem Score, der die Chöre und wuchtigen Bläser mit einer derart mitreißenden Kraft durch die Boxen jagt, dass jede Actionszene zum epischen Triumphzug gerät. Jedes musikalische Motiv sitzt punktgenau und peitscht das Geschehen voran. Auch das spärlich beleuchtete Budapest dient als atmosphärischer Auftakt für diesen unvergleichlichen Bilderrausch.

Auch in Sachen Kreaturendesign setzt die Inszenierung furchtlos auf Masse und wuchtige Präsenz. Die Verwandlungen des Werwolfs besitzen eine schmerzhafte, physische Masse, während Draculas brautgleiche Vampire kreischend durch die Lüfte segeln und stürmische Angriffe auf schneebedeckte Dörfer reitet. Richard Roxburgh gibt einen herrlichen, übersteigerten Dracula ab, der den Theater-Gothic-Tonfall auf den Punkt trifft und als perfekter Antagonist fungiert. Kate Beckinsale ergänzt das Geschehen mit spürbarem Kampfgeist und unverwechselbarer Ausstrahlung. Das Ensemble hat sichtlich Spaß daran, diesen kühnen Comic-Gothic-Ton schamlos und mit voller Hingabe auszuleben. Selbst die fies verzerrten Harpyien-Animationen tragen zum nostalgischen Reiz dieser Ära bei.

Sicherlich lässt sich argumentieren, dass das exzessive CGI der frühen 2000er-Jahre an manchen Stellen spürbare Alterungserscheinungen zeigt und das rasante Erzähltempo in seiner Hektik kaum Zeit zum Durchatmen lässt. Auch manch kalauernder Spruch bricht kurzzeitig die düstere Grundstimmung. Doch wer diesen Kritikpunkten die schiere Energie, den Einfallsreichtum der Gadgets und die grenzenlose Spielfreude entgegenhält, merkt schnell, wie irrelevant feingliedrige Makel gegenüber diesem gigantischen Fun-Faktor werden. Die schiere Fülle an visuellen Ideen entschädigt mühelos für jede kleine dramaturgische Schwäche.

Van Helsing ist die ultimative Popcorn-Granate des modernen Monsterkinos – ein gigantischer, ungebremster Krawall-Ritt voll packender Gothic-Ästhetik und mitreißendem Schwung, der auch heute noch mit absolutem Vergnügen begeistert und beste Unterhaltung garantiert.

Die Bildrechte obliegen ©Universal Pictures Germany

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