William Crains Blacula aus dem Jahr 1972 gehört zweifellos zu den faszinierendsten Schnittmengen des frühen Blaxploitation-Kinos und des klassischen Vampirgenres. Wer den Film heutzutage ohne Vorkenntnisse sichtet, erwartet hinter dem griffigen Wortspiel womöglich bloßen Exploitation-Ulk oder eine billig zusammengeschusterte Trash-Klamotte. Tatsächlich entpuppt sich der Streifen jedoch als erstaunlich würdevoller, melancholischer Schocker, der die verstaubte Bram-Stoker-Formel mit beachtlichem Geschick in das pulsierende Los Angeles der frühen siebziger Jahre verpflanzt.
Im Zentrum der Geschichte steht der afrikanische Prinz Mamuwalde, der im späten 18. Jahrhundert nach Transsilvanien reist, um Graf Dracula persönlich von der Abschaffung des menschenverachtenden Sklavenhandels zu überzeugen. Das aristokratische Treffen endet jedoch in einer Tragödie: Der rassistische Ur-Vampir weist Mamuwaldes humanistisches Anliegen verächtlich zurück, belegt ihn mit einem tödlichen Fluch, verpasst ihm den spöttischen Namen „Blacula“ und sperrt ihn in einen vergessenen Sarg. Als zwei naive Antiquitätenhändler die Kiste zweihundert Jahre später unwissend ankaufen und nach Kalifornien verschiffen, erwacht der unheimliche Gast in einer ihm völlig fremden Welt. Was folgt, ist ein von unstillbarem Blutdurst und tragischer Sehnsucht getriebener Beutezug durch die von Neonlicht beleuchteten Straßen und lebendigen Funk-Clubs der US-Westküste. Die fremdartige Kulisse wird für den erweckten Prinzen schnell zu einem undurchdringlichen Labyrinth aus Verlockungen und Abgründen.
Der mit Abstand größte Anker des Films ist William Marshall in der Titelrolle. Mit seiner imposanten Statur, seiner donnernden, klassisch ausgebildeten Theaterstimme und einer unvergleichlichen königlichen Würde verleiht er dem untoten Protagonisten ein enorm erhabenes Charisma. Marshall spielt keinen plumpen, seelenlosen Triebtäter, sondern eine gequälte, zutiefst tragische Gestalt, die unter der Last ihres ewigen, blutigen Daseins leidet. Seine vergebliche Suche nach der Reinkarnation seiner einstigen verstorbenen Frau bringt eine überraschende romantische Tiefe in das Geschehen,die man der Produktion in dieser Form kaum zugetraut hätte. Man spürt in jeder Szene, wie viel Präsenz und Respekt der Hauptdarsteller in diese Figur investiert. Er verleiht dem Schrecken eine fast schon shakespearesche Schwere, die das B-Movie-Fundament spürbar aufwertet.
Auch inszenatorisch punktet das Werk mit extrem stimmungsvollem Setdesign. Die geschickte Verbindung von dunklen Hintergassen, dampfenden Gullis, schicken Discotheken und einem großartigen, souligen Soundtrack von Gene Page verleiht dem albtraumhaften Treiben ein unverkennbares Zeitkolorit. Wenn Blacula durch die urbanen Kulissen schreitet, erzeugt der Kontrast zwischen klassisch-gotischem Schrecken und zeitgenössischer Straßenkultur eine ganz eigene, charmante Dynamik. Jede Einstellung fängt den Zeitgeist der frühen Siebziger wunderbar ein, während der schleichende Fluch das Nachtleben erstickt. Die bunten Farben der Nachtklubs bilden einen faszinierenden Gegenpol zur düsteren Gestalt des Hauptdarstellers.
Leider schränken das überschaubare Budget und erzählerische Nachlässigkeiten den Gesamteindruck spürbar ein. Abseits von Marshalls glänzender Präsenz agieren viele der Nebendarsteller spürbar hölzern und ungelenk. Die polizeilichen Ermittlungsarbeiten wirken uninspiriert inszeniert und bremsen den Rhythmus immer wieder unnötig aus. Auch die handgemachten Masken- und Spezialeffekte stoßen bei der Darstellung der Verwandlungen spürbar an ihre technischen Grenzen. Das Finale wirkt zudem etwas überstürzt zusammengeschustert und lässt ein wirklich wuchtiges Ausrufezeichen vermissen. Die Dramaturgie stolpert im letzten Drittel spürbar dem Abspann entgegen und lässt das enorme Potenzial der Figuren streckenweise ungenutzt.
Dennoch bleibt ein historisch bedeutendes, visuell charmantes Stück Genre-Geschichte zurück, das das Vampirmotiv geschickt mit gesellschaftlichen Untertönen anreicherte. Ein ungeschliffener, aber ungemein charismatischer Klassiker,der bis heute weitaus mehr Respekt verdient, als es sein reißerischer B-Movie-Titel vermuten lässt.


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