Piranha 3D

von Sean Theumer

Wenn ein Regisseur genau weiß, auf welches schmutzige, unerschrockene Terrain er sich einlässt, und dieses mit maximalem Vergnügen zelebriert, entsteht fantastisches Unterhaltungskino. Alexandre Ajas Piranha 3D aus dem Jahr 2010 ist ein absolut schamloser, durchgeknallter Funsplatter-Kracher, der zu keinem Zeitpunkt versucht, irgendetwas anderes zu sein als eine viszeral-blutige Party. Nach seinen spürbar düsteren, kompromisslosen Werken wie High Tension oder dem drückenden und fantastischen The Hills Have Eyes-Remake liefert Aja hier das ultimative Gegenmittel zu verkopftem Genre-Ernst ab. Das Ergebnis ist eine hemmungslose Ode an das B-Movie-Kino der achtziger Jahre, angereichert mit moderner Exzessivkraft und beachtlicher inszenatorischer Souveränität.

Schauplatz des verheerenden Chaos ist der idyllische Lake Victoria, wo tausende feierwütige Jugendliche beim traditionellen Spring Break Alkohol, laute Musik und freizügige Exzesse genießen. Ein unterirdisches Erdbeben bricht jedoch eine prähistorische Spalte am Seegrund auf und entlässt einen Schwarm prähistorischer, extrem aggressiver Beißer in die flachen Badegewässer. Was folgt, ist kein zaghaftes Versteckspiel, sondern eine völlig enthemmte, stetig eskalierende Schlachtplatte. Aja wirft jegliche zurückhaltende Dramaturgie sofort über Bord und verwandelt den sonnengetränkten Badesee in ein kochendes, blutrotes Nährbecken für ungezähmten Anarchie-Terror. Jede Szene am Wasser baut eine spürbare, fast schon gemeine Anspannung auf, bevor die rasierscharfen Zähne unerbittlich zuschlagen. Der Kontrast zwischen der unbeschwerten Urlaubsstimmung und der lauernden Gefahr unter der Oberfläche sitzt absolut punktgenau.

Piranha 3D Szene

Der absolute Höhepunkt dieser sommerlichen Hatz bleibt das legendäre Spring-Break-Massaker in der Mitte des Films. Wie Aja hier über mehrere Minuten hinweg das totale Chaos choreografiert, ist meisterhafter, exzessiver Funsplatter in Reinform. Wenn die prähistorischen Beißer über die ahnungslose Meute herfallen, verwandelt sich die feucht-fröhliche Party schlagartig in ein beispielloses Schlachtfeld aus abgetrennten Gliedmaßen, zerfetzten Körpern und schreienden Badegästen. Die Effekte kombinieren dabei hervorragend haptische Prothesen mit herrlich überzogenen Gore-Einlagen. Hier wird geköpft, zerrissen und zerkaut, dass es für Freunde handfester Effektkunst eine wahre Freude ist – und das alles serviert mit einem dicken, hochgradig zynischen Grinsen. Die Brutalität wird durch die grelle Sonneneinstrahlung nur noch absurder hervorgehoben, während das künstliche Blut in bizarren Kaskaden durch das Wasser zieht.

Das Ensemble um Elisabeth Shue, Ving Rhames, Jerry O’Connell und einen herrlich deplatzierten Richard Dreyfuss mit Verbeugung vor seiner Rolle in Der weiße Hai, fügt sich nahtlos in diese wilde Sause ein. Besonders O’Connell als schmieriger Erotik-Regisseur und Ving Rhames, der mit einer Außenbordmotor-Schraube bewaffnet in die Fluten steigt, liefern herrliche Highlights ab, die den schrägen Humorton des Streifens perfekt treffen. Die Dialoge sind bewusst flach gehalten, das Tempo bleibt von der ersten Minute an unerbittlich hoch, und der Film schert sich kein bisschen um Konventionen oder verstaubte Tabus. Jede Figur erfüllt exakt ihren Zweck in diesem makabren Vergnügungspark.

Sicherlich verliert die Chose nach dem gigantischen Massaker im Wasser auf den letzten Metern etwas von ihrer absoluten Höchstspannung, weil die Latte schlichtweg extrem hoch gelegt wurde. Auch die rein digitalen Effekte einiger Fischschwärme haben über die Jahre spürbar Verschleiß angesetzt. Doch diese kleinen Dämpfer verblassen völlig im Angesicht der schieren Energie und des unverkrampften Spaßfaktors, den Aja hier auf den Schirm zaubert. Man merkt in jeder Einstellung, wie viel Herzblut in diesem völlig durchgeknallten Spektakel steckt.

Piranha 3D ist das perfekte Beispiel für gelungenen, unverschämten Funsplatter – eine kompromisslose, blutgetränkte Sommer-Achterbahnfahrt, die vor inszenatorischer Spielfreude nur so strotzt und auch heute noch für beste Laune sorgt. Ein herrlich rohes Vergnügen für laue Nächte, das man gar nicht oft genug feiern kann.

Die Bildrechte obliegen ©Studiocanal Germany

Related Articles

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.