Es gibt Monate im Filmkalender, die von den großen Studios traditionell als reine Müllhalde genutzt werden, um Werke abzuladen, an die im eigenen Haus absolut niemand mehr glaubt. Der Januar gilt in Hollywood seit jeher als jener verfluchte Monat, in dem riskante oder vermeintlich schwache Produktionen feige versteckt werden, bevor das neue Kinojahr überhaupt richtig Fahrt aufnehmen kann. Als zu Jahresbeginn Johannes Roberts’ neuester Streifen Primate an den Start ging, schrillten bei erfahrenen Genrefans deshalb sofort alle Alarmglocken, denn solche Starttermine verheißen selten etwas Gutes. Doch wer sich von dem unglücklichen Veröffentlichungsmonat abschrecken ließ, verpasste eine gewaltige und sehr erfreuliche Überraschung. Denn entgegen allen finsteren Vorahnungen macht dieser Film schlicht und ergreifend verdammt großen Spaß und entpuppt sich als wunderbar schnörkelloser Tierhorror, der genau weiß, wie man das Publikum bei der Stange hält.
Anstatt sich in drögen, gewollten Arthouse-Metaphern zu verlieren oder den x-ten hochglanzpolierten Modern-Horror-Plot durchzukauen, besinnt sich Roberts auf die ureigenen, bewährten Tugenden des handfesten Genrekinos. Das fängt bereits beim akustischen Fundament an: Ein treibender, pulsierender Synthesizer-Score ganz im unverkennbaren Stil von John Carpenter dröhnt durch die Boxen und hüllt das Geschehen in eine herrlich nostalgische, kompromisslose Atmosphäre, die sofort in die richtige Stimmung versetzt. Johannes Roberts hat sich über die Jahre ohnehin als grundsolider Handwerker etabliert, der sein Metier absolut beherrscht, und auch hier liefert er exakt das ab, was man von einem guten Genrefilm verlangt. Ohne unnötige Längen oder erzählerischen Ballast sorgt er für knapp 90 Minuten kurzweiligen, packenden Terror, der keine Zeit verschwendet.

Dabei beweist Roberts ein feines Gespür für Timing und den richtigen Spannungsaufbau. Er weiß ganz genau, wann er die Daumenschrauben anziehen, das Tempo drosseln und die unheilvolle Anspannung im Raum maximieren muss, um sie im perfekten Moment blutig zu entladen. Wenn das Unheil dann zuschlägt, scheut der Film keineswegs vor Konsequenzen zurück. Mitunter baut Roberts überraschend harte und physische Gewaltspitzen ein, die dem Geschehen die nötige Bissigkeit verleihen und den Puls der Zuschauer verlässlich nach oben treiben. Hier wird nicht zimperlich weggeschaut, sondern der Schrecken konsequent, handgreiflich und ohne falsche Rücksichten zu Ende gedacht.
Der absolut größte Triumph des Films liegt jedoch in seiner mutigen, handwerklichen Entscheidung bei der Darstellung der monströsen Bedrohung. In einer Zeit, in der fast jedes moderne Creature Feature gnadenlos mit seelenlosen, glattgebügelten digitalen Effekten überladen wird, setzt Primate auf etwas, das man im aktuellen Blockbuster-Geschäft schmerzlich vermisst hat: Endlich steckt wieder ein echter Mensch in einem physischen, haptischen Kostüm. Diese spürbare Greifbarkeit macht den entscheidenden Unterschied aus. Die Kreatur hat echtes Gewicht, sie interagiert physisch mit ihrer Umgebung, und die handgemachten Masken sowie die detailverliebten Anzüge atmen eine analoge Echtheit, die kein Computer der Welt auch nur annähernd überzeugend nachbilden könnte. Es ist eine absolute Wohltat für die geschundenen Augen von Effekt-Fans, wenn ein blutiges Monster wieder durch echtes Schweißlicht und reale Schatten stapft.
Natürlich erfindet Roberts das Rad des Tierhorrors mit diesem Ausflug in den Dschungel oder die Isolation nicht neu. Die dramaturgischen Grundstrukturen sind vertraut, und die Figurenzeichnung bleibt im Rahmen des Genre-Üblichen recht funktional gehalten. Doch im Angesicht dieser souveränen Inszenierung, der treibenden Carpenter-Ästhetik und der kompromisslosen Effektauswahl fällt das absolut nicht negativ ins Gewicht. Primate beweist eindrucksvoll, dass ein vermeintlicher Januar-Auswurf zu einem echten Highlight für Genrefans werden kann, wenn einfach das handwerkliche Fundament stimmt. Ein ehrlicher, druckvoller und ungemein unterhaltsamer Schocker alter Schule, den man gesehen haben sollte.


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