Home 31 Days of FrightThe Video Dead

The Video Dead

von Sean Theumer

Unverschämt kreativ, formgewandt gescheitert und gerade deshalb mit einem festen Platz im Herzen jedes treuen Genrefans versehen: Robert Scotts The Video Dead aus dem Jahr 1987 bleibt ein Paradebeispiel für ambitionierten, völlig entfesselten Unfug. Wer an diesen obskuren Horrortrip herangeht, erwartet gewiss kein makelloses Meisterwerk der Filmgeschichte. Das Schauspiel bewegt sich oft hart am Rande des Erträglichen, das Budget war überschaubar, und erzählerische Logik wurde hier ganz offensichtlich im Müll entsorgt. Trotzdem lassen die schiere Genialität der Grundidee und der unbändige Wille, eine absurde Prämisse kompromisslos durchzuziehen, das Werk weit über den durchschnittlichen Videotheken-Schrott der späten achtziger Jahre hinauswachsen.

Bereits die Ausgangslage strotzt nur so vor Einfallsreichtum: Ein Mann bekommt ein mysteriöses, klotziges Fernsehgerät geschenkt, das sich im Handumdrehen als direkter Portalweg in die Hölle entpuppt. Sobald die Kiste läuft, steigen blutrünstige Zombies direkt aus dem Bildschirm heraus in die reale Welt. Noch schöner und absurder gestaltet sich die unbarmherzige Logik des Apparats: Schaltet man das Gerät ab, sterben die untoten Besucher nicht etwa – nein, sie verteilen sich im Haus, während der Fernseher absolut gar nichts mehr tut, außer weiterhin finstere Vorzeichen zu senden. Hocheffektiv verwandelt dieses Konzept den Kasten buchstäblich in eine tödliche Bedrohung und stellt den traditionellen Medienkonsum auf eine herrlich makabre Probe. Dass dieses Kasten-Szenario so hervorragend verfängt, liegt an der bedrückenden Atmosphäre, die das unheimliche Möbelstück im spärlich beleuchteten Wohnzimmer verbreitet. Jedes Flackern der Röhre kündigt unheilvolle Schrecken an, die den Betrachter unweigerlich fesseln.

Trotz aller handwerklichen Unzulänglichkeiten macht vor allem der unverkennbare Charme der praktischen Effekte und der morbide Einfallsreichtum den Streifen so verdammt sehenswert. Robert Scott scheut sich nicht davor, seine Kreaturen direkt ins Rampenlicht zu stellen. Fantastisch verrottet sehen die Zombies aus, während sie sich mit makabrer Entschlossenheit durch muffige Kulissen schleifen und handfeste Schockmomente garantieren. Wenn die Untoten ihr mörderisches Werk in dem unscheinbaren Vorort-Haus verrichten, packt den Zuschauer eine nostalgische Begeisterung, die modernes Genrekino vermissen lässt. Statt hektischer Handkamera hält die Linse stoisch und unerbittlich drauf, wenn morschen Gliedmaßen zuschlagen und künstliches Blut in Strömen fließt. Der schlabbernde, haptische Verfall der Gestalten transportiert eine physische Greifbarkeit, die den Bildschirm-Terror unmittelbar spürbar macht. Jedes Detail der Maskenarbeit strotzt vor handgemachter Hingabe.

Freilich bricht der Film auf erzählerischer Ebene phasenweise völlig auseinander. Figuren treffen Handlungen, die jeglicher menschlichen Vernunft spotten, und das Timing stolpert gelegentlich so ungelenk vor sich hin, dass ungläubiges Kopfschütteln die Folge ist. Hölzerne Dialoge und ein im Mittelteil spürbar einbrechendes Tempo zeugen davon, dass mit minimalen Ressourcen gekämpft wurde. Purer Improvisationsgeist prägte die Produktion vor und hinter der Kamera, wodurch das Endergebnis immer wieder unvorhersehbare Haken schlägt. Dennoch verzeiht man diese Mängel im Handumdrehen, weil handwerklicher Enthusiasmus aus jeder Einstellung spricht und die Spielfreude der Beteiligten das Budgetdefizit wettmacht. Zusätzliche handfeste Überraschungen im letzten Drittel sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit bis zum Abspann hoch bleibt.

Ureigene Mischung aus handgemachtem Charme, entfesselter Absurdität und absolutem Willen zum blutigen Schauer macht das Werk zu einem echten Unikat. Wer sich auf die skurrile Reise einlässt, wird bestens unterhalten. Die Darsteller geben ihr Bestes, um das Chaos zusammenzuhalten, während handgemachte Masken über jede dramaturgische Schwäche hinwegtrösten und das Publikum in den Bann ziehen. The Video Dead ist jene seltene, wunderbare Entdeckung für den späten Abend mit einer kalten Dose Bier im dunklen Zimmer. Trashig, ungeschliffen und herrlich unbeschwert – und für alle die Prime Video haben auch noch im Abo enthalten!

Die Bildrechte obliegen ©Shout Factory

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