Es gibt chaotische Filmproduktionen, und dann gibt es die surreale, bizarre Katastrophe namens Spookies – Das Killermonster aus dem Jahr 1986. Wer sich dieses merkwürdige Artefakt des 80er-Jahre B-Movies heute zu Gemüte führt, wird schnell feststellen, dass er es hier mit einem faszinierenden Unfall zu tun hat. Der Film ist bei weitem kein gutes Werk im klassischen Sinne – im Gegenteil: Das Schauspiel bewegt sich durchweg auf dem Niveau einer schläfrigen Laientheatertruppe, die Dialoge spotteten jeder Beschreibung, und die Dramaturgie wirkt derart zerfahren, dass der Streifen phasenweise nah an eine unbeabsichtigte Parodie grenzt. Doch genau in dieser völlig absurden Eigendynamik und einer schier unfassbaren Flut an praktischen Monstereffekten liegt der makabre Reiz, der diesen Heuler bis heute im Gedächtnis von Genre-Enthusiasten verankert.
Um das heillose Durcheinander auf der Bildfläche überhaupt greifen zu können, muss man zwingend den Blick auf die völlig wilde und holprige Entstehungsgeschichte werfen. Ursprünglich unter dem Arbeitstitel Twisted Souls von den jungen Regisseuren Brendan Faulkner und Thomas Doran gedreht, geriet die Produktion aufgrund massiver kreativer Differenzen mit dem geldgebenden Investor Michael Macarthy komplett aus den Fugen. Nach heftigen Streitereien wurden die ursprünglichen Macher schlicht vom Set geworfen, woraufhin Macarthy die Regisseurin Eugenia Joseph anheuerte, um großflächig neues Material nachzudrehen.
Das Resultat war ein wild zusammengeschustertes Frankenstein-Monster von einem Film: Man erfand eine völlig deplatzierte Rahmenhandlung um einen zaubernden Magier, fügte neue Figuren hinzu und schnitt das bestehende Material gnadenlos mit den nachgedrehten Szenen zusammen. Dass hier zwei völlig unterschiedliche Casts und Handlungsstränge mit brutaler Gewalt miteinander verheiratet wurden, sieht man dem Endprodukt in jeder einzelnen Sekunde an. Kontinuität existiert schlichtweg nicht, Figuren verschwinden spurlos oder tauchen ohne jede Motivation wieder auf, und der Ton kippt unberechenbar hin und her. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass hier zwei völlig verschiedene Visionen gegeneinander kämpfen und am Ende nur Trümmer hinterließen. Die ursprünglichen Schauspieler wurden teilweise nie wieder gesehen, während das nachgedrehte Material verzweifelt versuchte, dem Schnittgut irgendeine verkaufbare Form aufzuzwingen.

Das Faszinierende an diesem handwerklichen Chaos ist jedoch: Der Film nimmt sich trotz dieses bodenlosen Durcheinanders zu jedem Zeitpunkt komplett ernst. Wo andere Gurken irgendwann in seichte Ironie oder albernen Trash flüchten, zieht Spookies seine finstere Schauer-Mär mit stoischer Miene und düsterem Blick durch. Und genau an diesem Punkt schlägt die große Stunde der beteiligten Effektkünstler, die trotz des Chaos hinter den Kulissen atemberaubende Arbeit ablieferten. Denn was hier an schierer Quantität und kreativer Wucht bezüglich praktischer Monstermasken, Puppen und Spezialeffekte abgefeuert wird, ist schlichtweg überwältigend.
Sobald die unfreiwillig komischen Protagonisten das verfallene Landhaus betreten, bricht ein pausenloses Spektakel der handgemachten Effekte los. Der Film wirft dem Zuschauer im Minutentakt neue, wahnwitzige Kreaturen entgegen: Von schleimigen, mörderischen Muck-Monstern über unheimliche Spinnenfrauen, kotzende Ziffern-Zombies, furzende Sumpfkröten und blutrünstige Werwölfe bis hin zu erstaunlich detaillierten Stop-Motion-Gargoyles ist hier wirklich alles vertreten, was das Herz von Effekt-Freaks höferschlagen lässt. Die Make-up-Artists und Puppenspieler tobten sich ohne Sinn für narrative Dramaturgie, aber mit kolossaler Leidenschaft aus. Es spritzt, schleimt und knascht an allen Ecken. Man hat das Gefühl, durch eine völlig überfüllte Geisterbahn zu laufen, in der nach jeder Biegung eine völlig neue, haptische Absurdität ins Gesicht springt.
Sicherlich: Als kohärenter Spielfilm versagt Spookies auf nahezu jeder denkbaren Ebene. Die Charakterentwicklung ist absolut unauffindbar, der Rhythmus stolpert völlig ungelenk von einer Effekt-Demonstration zur nächsten, und jegliche Logik wurde spätestens in der Postproduktion endgültig beerdigt. Doch die pure Menge an handgemachter Kreativität, der mutige Willen zum Exzess und der unverfälschte Charme dieser filmischen Katastrophe machen das Werk zu einem faszinierenden Zeitdokument. Ein völlig wildes, zerrissenes Stück Filmgeschichte für Fans des gepflegten Kuriositäten-Horrors.
Empfehlenswert für Halloween weil: an diesem bizarren Monster-Mash bei Besuch und Bier kein Weg dran vorbei führt.


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