Nach den fragwürdigen filmischen Eskapaden von Paul W.S. Anderson und dem völlig missglückten Reboot-Versuch von Johannes Roberts schien das legendäre Resident Evil-Franchise auf der großen Leinwand endgültig ausgelutscht zu sein. Dass Sony diesem ausgemergelten Universum nun ausgerechnet durch Zach Cregger neues Leben einhaucht, entpuppt sich im Nachhinein als absoluter Geniestreich. Angesichts von Creggers bisherigen Regiearbeiten waren die Erwartungen ohnehin astronomisch hoch, und wer dem Ausnahmetalent hier völlig freie Hand gewährt, erntet einen echten Glücksgriff. Statt sich sklavisch an der berühmt-berüchtigten Lore abzuarbeiten, basiert dieser neue Streifen konsequent auf der pursten Essenz der Videospielmechanik statt auf dem verworrenen narrativen Ballast. Das Ergebnis ist nichts weniger als die perfekte filmgewordene Geisterbahn in Reinform, die Genrefans weltweit aufatmen und jede vorherige Kino-Adaption alt aussehen lässt.
Cregger verschwendet gar nicht erst kostbare Zeit darauf, jeden einzelnen Hintergrundmythos der Vorlage buchstabengetreu umzusetzen oder langatmige Erklärungen zu liefern, die den Spielfluss nur hemmen würden. Stattdessen verlässt er sich vollständig auf sein exquisites inszenatorisches Handwerk und serviert insbesondere in den ersten fünfzig Minuten einen schlichtweg perfekten Horrorfilm. Mit einer meisterhaften Balance aus treffsicherem Humor, kompromisslosem Splatter und hintertückischen Jumpscares feuert die Inszenierung Setpiece nach Setpiece in einem irrwitzigen Tempo ab, das dem Publikum kaum zum Durchatmen Zeit lässt. Jede Raumecke birgt eine potenzielle Bedrohung, jede geschlossene Tür zieht die Anspannung im Saal unerbittlich nach oben, und die physische Härte der blutigen Begegnungen sitzt punktgenau. Man merkt in jeder Sekunde, dass hier jemand am Werk ist, der genau weiß, wie man visuelle Angst und handgemachte Schockmomente effektiv aufbaut, ohne das Publikum zu unterfordern.

Die visuelle Umsetzung profitiert massiv davon, dass Cregger die klaustrophobische Enge der Schauplätze perfekt ausreizt. Jede Einstellung strahlt ein tiefes Gespür für räumliche Dynamik aus, das den Schrecken direkt greifbar macht und das Publikum unmittelbar in den unerbittlichen Überlebenskampf hineinzieht. Das Sounddesign untermauert diese dichte Klaustrophobie mit einem drückenden, allgegenwärtigen Puls, der jede Sekunde des Wartens unerträglich spannend gestaltet.
Austin Abrams trägt diesen halsbrecherischen Auftakt mit einer großartigen, herrlich nahbaren Performance, die den rasanten Schrecken perfekt erdet und dem wilden Treiben das nötige emotionale Fundament gibt. Wenn das Geschehen im weiteren Verlauf in die offene Stadt verlagert wird, verliert die rasante Hatz zwar einen kleinen Teil ihres anfänglichen Drucks, büßt aber keineswegs ihren abgründigen Einfallsreichtum ein. Cregger hält im letzten Drittel sogar noch die mit Abstand verrückteste Idee des gesamten Films im Petto, selbst wenn diese schlaue Volte bereits in den Trailern vorab angeteast wurde. Die inszenatorische Wucht bricht dadurch zu keinem Zeitpunkt ein, sondern treibt die Dynamik stattdessen noch einmal ordentlich voran.
Völlig schnörkellos und unerbittlich konsequent durchgezogen, ist die wilde Sause nach knapp 90 Minuten auch schon vorbei und entlässt die Zuschauenden mit einer gehörigen Ladung Adrenalin im Blut nach Hause. Die kreativen Schreckmomente zünden absolut vollends, der bissige Humor greift perfekt, sobald man sich auf diese adrenalingeladene Achterbahnfahrt einlässt, und handwerklich greift hier jedes Zahnrad nahtlos ineinander. Wer nach all den Jahren noch an Zach Cregger zweifelt, wird mit diesem wuchtigen Geniestreich endgültig eines Besseren belehrt. Ein moderner, kompromissloser Horrorfilm, den man im dunklen Saal erlebt haben sollte.


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