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Beware Boiuna

von Sean Theumer

Als in Amerika kürzlich die ersten Einspielergebnisse von Beware Boiuna die Runde machten und feststand, dass der Film im US-Box-Office komplett baden gegangen ist, war das wenig überraschend und doch hätte ich mir rückblickend betrachtet einen anderen Ausgang gewünscht. Beware Boiuna liefert exakt das ab, was sich alle Fans seinerzeit von einem modernen Anaconda-Remake erhofft hatten, bevor dieses dann den sicheren, aber oft so drögen Meta-Comedy-Weg einschlug. Auch in unseren Breiten sieht es diesbezüglich leider kaum besser aus: Die Kinos in Deutschland, die den Film überhaupt zeigen, sind extrem spärlich gesät. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch eine verpasste Chance, denn hier blickt man direkt in eine cineastische Epoche der 90er, die im modernen Blockbuster-Geschäft eigentlich schon vorüber zu sein schien. Knüppelharter Tierhorror auf der großen Leinwand.

Dass Regisseur Mike P. Nelson ganz genau weiß, welche Knöpfe er bei Genre-Veteranen drücken muss, sieht man dem Werk von der ersten Sekunde an an. Optisch verdammt hochwertig gefilmt, trotzt der Film seinem limitierten Budget mit einer beneidenswerten handwerklichen Souveränität. Statt steriler CGI-Tristesse arbeitet Nelson mit einer extrem klugen, haptischen Mischung aus handgemachten praktischen Effekten und digitalen Hilfsmitteln, die überraschend gut und organisch aufgeht, auch wenn man dann bei voller Gestalt im Finale den digitalen Ursprung klar sieht. Dabei legt der Film ein ganz besonderes, herrlich fieses Augenmerk auf handfesten Ekel und allerhand krabbelndes Dschungelgetier, das euch im Saal garantiert den kalten Schweiß auf die Stirn treibt.

Wo die erste halbe Stunde noch behutsam, fast schon geduldig aufbaut, was da in der grünen Hölle auf die Protagonisten wartet und sogar noch versucht wird Zuschauerbindung zu den Charakteren aufzubauen, schaltet der Film danach gnadenlos einen Gang höher. Plötzlich schlägt das Geschehen in ein knackiges, erbarmungsloses Survival-Horrorabenteuer um, das erstaunlich konsequent, ernsthaft und vor allem verdammt hart durchgezogen wird. Keine ironischen Augenzwinker, keine modernen Meta-Ebenen – hier herrscht purer, schwitziger Überlebenskampf, der keine Gefangenen macht.

Getragen wird das Ganze von durchgehend überzeugenden Hauptdarstellern, denen man den physischen Terror abnimmt, sowie einem schlicht irren Erzähltempo. Wenn sich die Ereignisse im Dschungel überschlagen und der Film eine fast perfekte, adrenalingeladene Mischung aus körperlichem Ekel und effektiven Jumpscares auffährt, hebt er sich meilenweit über den verstaubten Genreedurchschnitt ab. Beware Boiuna ist ein wunderbar altmodischer, kompromissloser Genrevertreter alter Schule. Wer sich darauf einlässt, bekommt genau das Schauvergnügen, das man im aktuellen Kino sonst so oft vermisst. Der macht einfach richtig viel Spaß.

Neben all den handwerklichen Vorzügen und der treibenden Härte gelingt es dem Film vor allem, dieses klammheimliche Gefühl der Isolation einzufangen. Man spürt in jeder Einstellung, dass hier Leute am Werk waren, die das Creature-Feature-Genre nicht als ironisches Stilmittel, sondern als leidenschaftliche Handwerkskunst begreifen. Wenn am Ende die Credits über die Leinwand flimmern, bleibt das beglückende Gefühl zurück, dass echtes, ungeschöntes Tierhorror-Kino vielleicht doch noch nicht gänzlich ausgestorben ist. Vielleicht erlebt der Film dann im Heimkino die Aufmerksamkeit die er verdient!

Die Bildrechte obliegen dem Verleih ©Constantin Film

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