Es gibt Filme, die sind im deutschen Raum so gnadenlos unter dem Radar geblieben, dass man sie fast schon wie ein rares, verstaubtes Fundstück aus dem Videotheken-Archiv ausgraben muss. Eric Reds Body Parts aus dem Jahr 1991 gehört zweifellos zu diesen weitestgehend vergessenen Geheimtipps, die hierzulande kaum jemand auf dem Schirm hat – obwohl die Prämisse an makabrem Potenzial und doppelbödigem Schrecken eigentlich alles mitbringt, was ein prägender Genrebeitrag braucht. Wer sich diesen vergessenen Streifen heute unvoreingenommen ansehen möchte, bekommt keinen seelenlosen Konsum-Grusel serviert, sondern einen überraschend konsequenten, atmosphärisch dichten Psychothriller, der sich voll und ganz auf seine völlig abgedrehte Ausgangslage verlässt und diese ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht.
Im Zentrum der Geschichte steht ein besonnener Universitätsprofessor, der bei einem verheerenden Autounfall seinen rechten Arm verliert und nach dem Erwachen im Krankenhaus feststellen muss, dass ihm in einer hochspekulativen, medizinisch dubiosen Operation die Gliedmaße eines hingerichteten Serienmörders transplantiert wurde. Was danach folgt, ist ein schleichender, unaufhaltsamer Strudel aus körperlicher Entfremdung, bösartiger Paranoia und schleichendem Wahnsinn, während die fremde Hand ein blutiges Eigenleben entwickelt und ihren neuen Wirt systematisch terrorisiert. Das Schönste daran: Regisseur Eric Red inszeniert diesen hanebüchenen Plot nicht als kichernden B-Movie-Ulk oder ironisches Trash-Spektakel, sondern zieht das Ganze mit einer erstaunlichen, fast schon schmerzhaften Ernsthaftigkeit durch. Jeff Fahey spielt diesen schleichenden Kontrollverlust mit einer fahrigen, fiebrigen Intensität, die den Zuschauer direkt in den Abgrund aus Hilflosigkeit und blankem physischen Unbehagen reißt.
Was diesen hierzulande völlig obskuren Vertreter der frühen neunziger Jahre aber wirklich auszeichnet, ist seine kompromisslose, haptische Härte. Die handgemachten Effekte sind schleimiger, physischer Body-Terror in Reinform. Wenn die verseuchte Gliedmaße unkontrolliert zuschlägt und ihren mörderischen Impulsen nachgibt, wird nicht vorsichtig weggeschnitten; die Kamera hält gnadenlos drauf und zelebriert das blutige Chaos mit einer Direktheit, die phasenweise extrem unangenehm wird. Jedes Aufplatzen von Haut, jede zuckende Sehne und das rohe Zerren an den verbliebenen Stumpfen brennt sich ins Gedächtnis ein. Getragen von einem treibenden, nervenaufreibender Soundtrack von Loek Dikker, der die Anspannung in jeder Szene bis zum Anschlag schraubt, entfaltet das Geschehen eine ungeheure physische Wucht, die sich tief in die Magengrube frisst.
Natürlich schwächelt das Drehbuch im Mittelteil spürbar, wenn sich die spurenstofflichen Ermittlungen etwas zäh im Kreis drehen und die medizinische Logik hinter der biologischen Seelenwanderung endgültig über Bord geworfen wird. Die Jagd nach den anderen Empfängern der Mörder-Körperteile bedient stellenweise recht gewöhnliche Thriller-Schablonen, was den kühlen Fluss der Geschichte kurzzeitig bremst. Auch die Dialoge verharren gelegentlich im rein Funktionalen, um die hanebüchene Wende der Handlung irgendwie voranzutreiben. Dennoch verpufft die Wirkung keineswegs vollends, da der visuelle Druck konstant hochgehalten wird und das Finale eine herrlich rohe Dynamik entwickelt.
Diese narrativen Durchhänger verzeiht man dem Werk daher erstaunlich schnell, weil die handwerkliche Konsequenz und die griffige, ungemütliche Atmosphäre bis zum harten Ende durchgehalten werden. Body Parts ist ein wunderbar bissiger, völlig zu Unrecht im deutschen Heimkino-Niemandsland versauerter Schocker, der endlich die Aufmerksamkeit verdient, die ihm damals verwehrt blieb. Physisch an den Film zu kommen, wird in Deutschland aber quasi unmöglich sein.


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